Sport : Spontan entlassen

Schalke 04 entzieht Trainer Jupp Heynckes das Vertrauen

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Fünfzehn Monate dauerte früher der Dienst an der Waffe bei der Bundeswehr. Aus diesem Alter ist Jupp Heynckes längst raus. Aber genauso lange wie einst die Ausbildung „beim Bund“ dauerte sein Versuch, die Fußballer von Schalke 04 bereit zu machen für den Angriff auf die Spitze der Bundesliga. Anders als ein Soldat durfte Heynckes vorzeitig gehen. Nach einem Gespräch mit dem Vorstand wurde der Fußballlehrer, dessen Vertrag bis Saisonende läuft, von seinem Arbeitgeber am Mittwoch beurlaubt. Fürs Erste werde „ein Vierergespann“ über Taktik und Aufstellung befinden, hieß es: die beiden Assistenztrainer Achterberg und Reck, die das Training leiten, sowie Teammanager Müller und Manager Assauer.

Ein bisschen zumindest wurde bereits in den Tagen zuvor über einen solchen Schritt spekuliert – vor allem, nachdem sich die „Bild“-Zeitung gegen Heynckes in Stellung gebracht hatte. Schalke hatte drei der ersten vier Partien in der Bundesliga verloren. Gestern, als die Entscheidung des Managers bekannt wurde, waren dann doch alle überrascht. Einen Tag vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen den lettischen Klub FHK Liepajas Metalurgs.

Assauer bemühte sich dann auch sehr zu betonen, dass die Beurlaubung „absolut nicht geplant gewesen“ sei. Der Vorstand habe sich mit Heynckes zusammengesetzt, um ihm einige Änderungen vorzuschlagen. Der Entschluss, sich von ihm zu trennen, sei erst während der Sitzung gefasst worden. „Es ging um einige grundsätzliche Dinge, die aus unserer Sicht anders gemacht werden müssen“, sagte Assauer. „Im Fußball gibt es Kernsätze, die man beachten sollte.“ Heynckes habe es jedoch abgelehnt, sich in diesen Fragen „helfen zu lassen“. Einzelheiten wollte der Manager nicht nennen. Jupp Heynckes sagte in einem Interview mit der „Münchner Abendzeitung“, Assauer habe ihm erklärt, dass es „innerhalb der Mannschaft Vorbehalte gegen meine Arbeit gab“.

„ Jupp hat seine Philosophie, die zieht er durch. Ab und zu könnte man aber auch mal einen Umweg machen“, findet Assauer: „Er hat gesagt, dass er an seinem Stil nichts ändern wird. Im Interesse der sportlichen Perspektiven mussten wir dann sagen: Es geht nicht mehr.“ Am Sonntag, nach dem 0:3 in Wolfsburg, hatte der Manager noch angekündigt, erst nach dem zehnten Spieltag zu entscheiden, ob eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll sei. Da Heynckes aber keine Zugeständnisse machen wollte, habe der Vorstand „nicht mehr bis zum zehnten Spieltag warten können“. Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft sei „nicht intakt genug gewesen, als dass in absehbarer Zeit Besserungen zu erwarten gewesen wären“. Wer Heynckes als Trainer folgt, ist ungewiss. Assauer sagt, er habe sich darüber noch keine Gedanken gemacht, aber er gibt zu: „Jede Entlassung ist auch eine Niederlage für mich.“

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