Sport : Sport als stiller Sieger

Der rot-schwarze Senat verspricht, Berlins Sportförderung zu stabilisieren – der neue Verwaltungschef Statzkowski will auch den Olympiapark beleben.

von
Foto: promo
Foto: promo

Berlin - Andreas Statzkowski hat seine künftige Aufgabe bereits verinnerlicht. Auf die Frage nach seinem Lieblingsverein antwortet der Berliner CDU-Politiker schnell: „Natürlich keinen.“ Jede andere Antwort hätte falsch verstanden werden können, denn Statzkowski wird im rot-schwarzen Senat als neuer Staatssekretär die Berliner Sportpolitik verantworten – und damit Ansprechpartner für alle Vereine der Stadt sein. Schon heute könnte der 55-Jährige ernannt werden; der bisherige Staatssekretär Thomas Härtel (SPD) verlässt nach zwölf Jahren das Amt.

Der Berliner Sport ist trotz des Wechsels an der Verwaltungsspitze ein stiller Sieger der Koalitionsverhandlungen. Unter dem designierten neuen Innensenator Frank Henkel (CDU) soll die trotz knapper Kassen sportfreundliche Senatspolitik fortgesetzt werden. Statzkowski kennt sich gut in der Materie aus. Er war bislang sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und in den Koalitionsgesprächen für seine Partei federführend in Sachen Sport. Er ist außerdem Präsident des SC Charlottenburg, einem der größten Sportvereine der Stadt. In der Landespolitik gilt er als stiller, gewissenhafter Parteiarbeiter.

Im Koalitionsvertrag haben sich Härtel und Statzkowski auf einen „Solidarpakt Sport“ verständigt. Demnach soll die Sportförderung, die primär über den Landessportbund abgewickelt wird, „in der bisherigen Größenordung aufrechterhalten werden, auch wenn die Lottoeinnahmen zurückgehen“. Angesichts schwankender Glücksspiel-Erlöse hatte sich schon die neue Landesregierung in Baden-Württemberg auf einen solchen Pakt verständigt. „Dies ist eine gute Botschaft für den Berliner Sport“, sagt Härtel. Sein Nachfolger muss nun Anfang kommenden Jahres das Vorhaben in den Haushaltsverhandlungen durchsetzen. „Der Sport braucht Berechenbarkeit“, sagt Statzkowski.

Ein besonderer Fokus liegt für den neuen starken Mann im Berliner Sport auf der Entwicklung des Olympiaparks. Auf 130 Hektar erstreckt sich am Olympiastadion die größte Sportanlage Europas. Das Gelände liegt aber weitgehend brach, worauf zuletzt der Tagesspiegel im Rahmen einer Veranstaltungsreihe mit dem Olympiastadion hingewiesen hatte. „Das Gelände muss entwickelt werden, auch das seit 1994 geschlossene Freibad braucht wieder eine Zukunft“, sagt Statzkowski. Neben der Poelchau-Sportschule sollen auch Vereine auf das Gelände kommen und etwa das Reiterstadion nutzen. Statzkowski kennt die Gegend seit Jahrzehnten gut, er ist auch CDU-Chef im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Im Koalitionsvertrag vereinbart ist außerdem die schon lange fällige Sanierung von Schulsportanlagen und Hallenbädern. Einzelne Bäder könnten an Sportvereine übertragen werden, wie das etwa bei den Wasserfreunden Spandau im Forumbad der Fall ist. Zusätzliche Sportflächen sollen auch auf dem Flugfeld Tempelhof entstehen. Im Spitzensport werden Bewerbungen für ein Champions-League-Finale sowie um die Leichtathletik-EM 2018 im Olympiastadion vorangetrieben. Letztere ist allerdings nach dem Rückzug des Hauptsponsors beim Stadionfest Istaf in Gefahr geraten.

Eine Olympiabewerbung Berlins steht für Statzkowski zunächst nicht an. „Dafür muss es erst einen gesellschaftlichen Konsens in der Stadt geben“, sagt er. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist da schon weiter. Er hatte vor der Wahl offensiv für die Spiele geworben.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben