Sport-Debatte : DDR-Trainer: Schlussstrich mit Reue?

Der Fall Goldmann und die Folgen: Wie der deutsche Sport über die Erklärung der DDR-Trainer debattiert.

Frank Bachner

Berlin - Christa Thiel ist Juristin, sie ist schon von Berufs wegen vorsichtig. Sie führt aber auch den Deutschen Schwimmverband (DSV), in dieser Doppelrolle passt sie besonders auf. Deshalb sagt sie: „Ich muss erst lesen, was geschrieben wird. Aber wenn es sinnvoll ist, kann man diese Form auf andere Verbände übertragen.“ Bis jetzt betrifft es nur den Deutschen Leichtathletik-Verband. Bei dem bereiten mehrere Bundes- und frühere DDR-Trainer eine Erklärung vor, in der sie einräumen und bereuen, dass sie im Dopingsystem gesteckt haben. Gleichzeitig wollen sie so ihren Job sichern. Denn in seinem Vertrag unterschrieb grundsätzlich jeder Bundestrainer, dass er nie mit der Stasi oder Doping zu tun hatte. Der Kontrakt von Werner Goldmann, Coach des Diskuswerfers Robert Harting, wurde auf Empfehlung einer Anti-Doping-Kommission nicht verlängert. Ein Dopingopfer hatte ausgesagt, Goldmann habe ihm verbotene Mittel gegeben. Beim DSV wird gerade untersucht, ob Norbert Warnatzsch, Trainer der Olympiasiegerin Britta Steffen, ins Dopingsystem eingebunden war.

Olaf Heukrodt, Präsident des Deutschen Kanu Verbandes (DKV), sagt: „Es ist traurig, dass erst nach 20 Jahren so ein Vorstoß der Trainer kommt. Andererseits sollte auch mal ein Schlussstrich gezogen werden, sofern jemand ehrlich bereut.“ Beim DKV gebe es im Übrigen keinen Bundestrainer mit Dopingvergangenheit. Und was ist mit dem früheren DDR-Spitzentrainer Rolf-Dieter Amend? „Seine Vergangenheit wurde nicht untersucht. Da vertrauen wir seinem Wort.“ Der Fall des Eiskunstlauftrainers und früheren Stasi-Mitarbeiters Ingo Steuer wird durch die aktuelle Diskussion nicht berührt. Er hat keinen Vertrag mit der Deutschen Eislauf-Union. „Wenn wir nur ein arbeitsrechtliches Problem hätten“, sagt seine Anwältin Karla Vogt-Röller, „hätte ich doch längst jeden Prozess gewonnen.“ Frank Bachner

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