Sport : Sport fällt aus

Eine bundesweite Studie zeigt große Mängel in der Grund- und Hauptschule sowie Defizite beim Schwimmunterricht

Friedhard Teuffel

Berlin - Der Schulsport ist ein Gutmenschthema, es kann nie genug von ihm geben und doch gibt es immer zu wenig. In einer bundesweiten und repräsentativen Studie haben jetzt Wissenschaftler von sechs Universitäten Qualität und Umfang des Schulsports in Deutschland untersucht und gestern in der Landesvertretung Hessen an die Kultusministerkonferenz der Länder übergeben. Viele Ergebnisse sind wenig überraschend, einige werfen jedoch kein gutes Licht auf den Sportunterricht. Vor allem über die Situation in Grund- und Hauptschulen äußerten sich die Wissenschaftler besorgt.

Dass in Deutschland jede vierte Sportstunde ausfällt, hatten die Wissenschaftler schon vorab im Dezember veröffentlicht. Jetzt stellte Professor Wolf-Dietrich Brettschneider, der Koordinator der Studie, noch einmal klar: „Was im Grundschulalter an Grundlagen versäumt wird, ist später nicht mehr wiedergutzumachen.“ Zwar fielen in der Grundschule weniger Stunden aus, jedoch erteilten oft fachfremde Lehrer den Unterricht. In den Hauptschulen bekämen die Schüler nur wenig Sportunterricht und außerhalb des Unterrichts auch kaum weitere Sportangebote.

Brettschneider, Sportwissenschaftler an der Universität Paderborn, vermisst beim Sportunterricht auch einen Identitätskern. „Muss der Unterricht die Schüler nicht zuerst einmal für Sport interessieren und erst danach die Entwicklung fördern?“ Befragungen von Schülern haben zudem ergeben, dass gerade die Jungen sich eine stärkere Bewertung ihrer Leistung wünschen. „Der Sportunterricht ist bewegungsintensiv, ruft aber die Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft der Schüler nicht entsprechend ab“, sagte Professor Rüdiger Heim von der Universität Heidelberg. 94 Prozent der Noten liegen im Spektrum zwischen sehr gut und befriedigend. Auch Brettschneider kritisierte: „Man ist zu lange davon ausgegangen, dass die Schüler in Ruhe gelassen werden wollen.“

Defizite sehen die Wissenschaftler auch im Schwimmunterricht. Mehr als zwanzig Prozent der Schulen stünden keine Sportstätten für den Schwimmunterricht zur Verfügung. Dabei wollen über 30 Prozent der Schüler mehr schwimmen. Damit liegt Schwimmen in der Gunst der Schüler auf Platz eins. „Mit Schwimmunterricht könnte auch die Zahl der Badeunfälle verringert werden“, sagte der Präsident des Deutschen Sportbundes Manfred von Richthofen.

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Johanna Wanka nahm einige Ergebnisse der Studie zufrieden auf. Der Sportunterricht genieße große Wertschätzung, außerdem werde das Engagement der Sportlehrer wahrgenommen. Sie erwartet, dass der Sport in den Ganztagsschulen eine größere Bedeutung gewinnen werde.

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