Sport in der Region : Winterpause im Berliner Fußball

Vereiste Plätze, ausgebuchte Sporthallen, Generalabsagen. Wie sich der harte Winter auf den Berliner Amateurfußball auswirkt.

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Für Berliner Amateur- und Jugendfußballer bekommt der Begriff Winterpause dieser Tage eine ganz neue Dimension. Während in der Bundesliga dank Rasenheizung und Räumungstrupps längst wieder der Ball rollt, wurde der für dieses Wochenende angesetzte Rückrundenstart in den unteren Ligen nun verschoben. Generalabsage, zunächst bis einschließlich kommendes Wochenende. Und dass es danach endlich losgehen kann, ist eher unwahrscheinlich. Es gibt zur Zeit einfach kaum bespielbare Fußballplätze in Berlin, Besserung ist nicht in Sicht.

Durch die Massen an Schnee und die anhaltende Kälte ist die Situation in diesem Jahr besonders schlecht. Die meisten Plätze in Berlin sind gesperrt, und bis auch der letzte gefährliche Eisfleck aus den schattigsten Ecken der Plätze weggeschmolzen ist, kann es noch Wochen dauern.

Auf einer weichen, frischen Schneedecke dürfte theoretisch gespielt werden, wie ein Schiedsrichter-Ansetzer vom Berliner Fußballlverband (BFV) mitteilt. Nur ist dann ziemlich bald die Oberfläche so festgetreten, dass es doch harte und vereiste Stellen gibt und das Verletzungsrisiko zu hoch wäre. Solche Voraussetzungen bieten die Berliner Plätze dieser Tage ohnehin nicht. Auch wenn der Schnee wegtaut, könnten Plätze unbespielbar bleiben. Naturrasen wird wohl zunächst noch zu feucht und rutschig sein, bei Kunstrasenplätzen könnten durch Frost und Feuchtigkeit Nähte aufgerissen sein.

Im Poststadion in Moabit, Heimstätte von vier Vereinen samt Herren- Jugend- und Seniorenmannschaften, liegen alle sieben Plätze unter einer dicken Schneedecke. Wo sonst allerorts Trainingsgruppen herumwuseln, Trillerpfeifensignale und Jubelrufe die Luft erfüllen, herrscht dieser Tage besinnliche Ruhe.

Schneeschaufeln in Eigeninitiative

Zum Räumen ist es längst zu spät. Wenn, dann hätte man sofort reagieren müssen, als der erste Schnee fiel. So wie zum Beispiel bei der VSG Altglienicke im Berliner Südosten. In Eigeninitiative halfen dort die Spieler der Herren-Senioren- und A-Jugendmannschaften mit, den Platz am Alten Schönefelder Weg schneefrei zu halten, wie Fußball-Abteilungsleiter Rainer Lange mitteilte. Eine beachtliche Leistung, wenn man sich die Fläche eines Fußballfelds vor Augen führt. “Ohne den Einsatz der vielen freiwilligen Helfer hätten wir das niemals geschafft, an dieser Stelle ein großes Dankeschön”, so Lange. Es hat sich gelohnt, denn die VSG ist somit einer von ganz wenigen Vereinen in Berlin, der den Trainingsbetrieb aller Mannschaften größtenteils aufrecht erhalten kann, auch wenn das ständige Nachschneien immer wieder neuen Einsatz erfordert.

Wer aber den Zeitpunkt zum Räumen verpasst oder vom Sportamt keine Genehmigung dafür erhalten hat, kann jetzt nur auf Tauwetter hoffen. Neben den Spielabsagen ist es nämlich das größte Problem für die Fußballvereine, dass momentan nicht richtig trainiert werden kann. Den Luxus eines beheizten Trainingsplatzes hat Hertha BSC derzeit exklusiv, die Anderen sind zum improvisieren gezwungen. Anfangs konnte man wenigstens noch Laufen gehen, doch inzwischen sind auch die Wege in den Parks zu hart und vereist. “Es war wichtig, die Laufeinheiten zu absolvieren und dadurch Kondition aufzubauen, doch mittlerweile geht draußen gar nichts mehr” sagt Gzim Shala, Trainer des Bezirksligisten SC Union 06. Durch den Kontakt mit vielen anderen Trainern weiß er auch, dass es fast alle Mannschaften große Probleme mit diesem Winter haben. “Wir improvisieren und versuchen halbwegs fit zu bleiben, von einer anständigen Saisonvorbereitung kann aber keine Rede sein.”

Jugendmannschaften trainieren im Winter meist ohnehin in den Sporthallen der Berliner Bezirke, die dadurch größtenteils ausgelastet sind. Mannschaften, deren Planungen auf ein Training im Freien ausgelegt sind, haben daher kaum Chancen, Hallenzeiten zu bekommen. Es gibt zwar private Hallenbetreiber, die Ihre Spielfläche gegen Stundengebühr zur Verfügung stellen. Doch angesichts oft klammer Vereinskassen ist auch dies für einige Klubs keine erschwingliche Alternative.

Terminflut durch Nachholspiele

Die meisten Kinder und Jugendlichen sind also zunächst nicht ganz so schwer betroffen, auch weil es im Jugendbereich eine große Zahl an Hallenturnieren gibt. Punktspiele sind allerdings schon weit mehr abgesagt worden als im Herrenbereich, da der Saisonstart hier schon für Mitte Januar angesetzt war. Gleiches gilt für Damen- und Seniorenmannschaften.

Die vielen Spielabsagen werden sich besonders problematisch auswirken, wenn es später darum geht, Nachholtermine zu finden. Laut einem Sprecher des BFV wird wohl das Osterwochenende, das eigentlich spielfrei sein sollte, als Termin für einen Nachholspieltag herhalten müssen. Dies ist allerdings das einzig freie Wochenende, das bis zum Saisonende noch bleibt. Der Rest der Spiele muss unter der Woche irgendwie dazwischengequetscht werden. Bei insgesamt 312 Vereinen in Berlin mit gut 2800 Mannschaften (inklusive Freizeitligen) ein kniffliger Job für die Ansetzer vom BFV. Und für alle beteiligten Spieler, Trainer, Eltern und Schiedsrichter, die größtenteils berufstätig sind, eine enorme Mehrfachbelastung. Wenn zum Beispiel der Grünauer BC an einem Mittwoch Abend zum Auswärtsspiel in Staaken antreten muss, ist das zumindest für die Grünauer wohl mehr eine lästige Pflichtaufgabe statt Freizeitspaß.

Doch eine Flut an Spielen wäre den meisten Sportlern aktuell wahrscheinlich lieber, als die derzeitige Zwangspause. So bleibt den Fußballbegeisterten in diesen Tagen wohl nur der bange Blick auf die Wettervohersagen und der Rasenheizungsbegünstigste Profi-Fußball im Fernsehen. Mit etwas Neid zwar, doch hoffentlich ein wenig erwärmend.

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