Sport in Ost und West : Wo die Deutschen Meister wohnen

Deutsche Titelträger stammen vermehrt aus den alten Bundesländern. Grund ist die schwache wirtschaftliche Situation im Osten der Republik.

Thadeus Fürstenau
Grafik: Tsp/Klöpfel

In der Schule gab’s für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball“, sagte einst Weltmeister Thomas Häßler über den beliebtesten Sport der Nation. Fast sieben Millionen Menschen werden ähnlich darüber denken – genau so viele sind Mitglieder in deutschen Fußballvereinen. Jedoch drohen bei der intensiven Berichterstattung rund um den Fußball viele andere Sportarten in Vergessenheit zu geraten, in denen auch Mannschaftsmeister ermittelt werden. Einige Sportarten wie Handball, Basketball und Eishockey erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit und locken jährlich Millionen Sportfans in die Hallen und Stadien, andere Disziplinen sind da weniger populär. Da wären Faustball, Korbball oder Intercrosse – eine Variation des Lacrosse; die meisten sind unterteilt in Frauen- und Männermannschaften. Die Grafik zeigt, die Meister kommen aus ganz Deutschland. Jedenfalls fast.

Der Basketball-Meister kommt aus Bayern, auch die Männer-Meister des Australian Footballs und die Curling-Meister der Damen kommen aus dem Freistaat. So kann man mit fast jedem Bundesland verfahren und diverse Sportarten aufzählen. Doch ist eine klare Tendenz zu erkennen: Der Großteil der Meister befindet sich rund um die großen Ballungsräume; weniger bewohnte Regionen sind mannschaftssportlich weniger erfolgreich.

In Berlin versammeln sich Meister wie die Volleyball-Männer, Eishockey-Männer und Jugger – eine Kombination aus Sportarten wie Handball, Rugby, Fechten und Ringen; in der Region Brandenburg sind nur die Frauen-Meister im Hallenfußball zu finden. Gleiches Bild in Nordrhein-Westfalen: Rund um das Ruhrgebiet ist die größte Agglomeration der Republik zu finden, der Rest des bevölkerungsstärksten Bundeslandes ist wesentlich schwächer vertreten. Auch fallen die neuen Bundesländer im Vergleich zu den alten merklich ab. Die östlichen Bundesländer stellen dieses Jahr maximal einen Meister, Sachsen-Anhalt ging sogar leer aus. Abgesehen vom flächenmäßig kleinsten und bevölkerungsärmsten Bundesland Saarland stellen die restlichen alten Bundesländer mindestens drei Meister.

Im Osten geht die Sonne unter
Empor abwärts: Die Handballer von Empor Rostock (v. l.: Frank-Michael Wahl, Jürgen Rohde, Siegfried Sanftleben und Michael Blank) gewannen 1982 den Europapokal der Pokalsieger. Heute spielt Empor in der Zweiten Liga.Weitere Bilder anzeigen
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11.07.2013 12:54Empor abwärts: Die Handballer von Empor Rostock (v. l.: Frank-Michael Wahl, Jürgen Rohde, Siegfried Sanftleben und Michael Blank)...

Diese Diskrepanz kann auf die geringe Besiedlung der meisterschwachen Bundesländer zurückgeführt werden. Denn: Die Sport-Fördergelder der Bundesländer stehen im ungefähren Verhältnis zur Einwohnerzahl der Länder. Doch der Mannschaftssport finanziert sich größtenteils durch private Sponsoren, und die sind im Osten Deutschlands schwer zu finden. Der Westen ist wirtschaftlich stärker als der Rest Deutschlands, große Firmen, die Vereine im Osten finanziell unterstützen, sucht man vergeblich.

So werden in den ersten Ligen der großen Sportarten Fußball, Basketball, Handball und Eishockey kaum ostdeutsche Vereine gefunden. Oftmals stellt die Hauptstadt den einzigen Klub im gesamten Osten, nun auch wieder in der Fußball- Bundesliga.

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