Sport : Sport ist anders

Christian Hönicke fordert ein Umdenken der EU bei der Ausländerregel

Christian Hönicke

Ruben Acosta ist ein furchtloser Mann. Mit vielen Gegenspielern hat sich der streitbare Imperator des Weltvolleyballs schon angelegt, nun nimmt er gleich den Kampf gegen einen ganzen Erdteil auf. Mit der von ihm durchgedrückten Beschränkung auf zwei ausländische Spieler pro Klubteam hat er sich ins Fadenkreuz der Europäischen Union manövriert. Denn die Regel tangiert das garantierte Recht auf freie Arbeitsplatzwahl in der EU, das seit dem Bosman-Urteil 1995 auch für Profisportler gilt.

Acosta hat mit seinem Alleingang eine seit langem schwelende Frage neu aufgeworfen. Sie lautet: Ist der Sport ein Wirtschaftszweig wie jeder andere? Die Antwort: Er ist ein Wirtschaftszweig, aber einer mit Besonderheiten. Mag mittlerweile vieles an die Welt von Siemens und Mitsubishi erinnern, gibt es doch im Detail gravierende Unterschiede. So hat der Sport einen sozialen Auftrag: Er bietet jungen Menschen auf der Suche nach Orientierung eine Landkarte und wird für diese Nachwuchsarbeit mit öffentlichen Mitteln gefördert. Darüber hinaus spielt die lokale Komponente eine ungleich wichtigere Rolle als in der Wirtschaft: Es gibt Nationalteams, Weltmeisterschaften, Olympia.

Dieser für den Sport essenzielle Wettbewerb zwischen Nationen, aber auch in Profiligen, wird nun durch einen völlig deregulierten Markt bedroht – allen voran durch die Konzentration auf wenige Spitzenteams, die wie Kolonialherren Spieler aus der ganzen Welt einkaufen. Wo in der Wirtschaft das Kartellamt einschreiten würde, müssen im Sport die Macher im Volleyball, Fußball, Eishockey und Handball handeln. Auch die Europäische Union muss umdenken – denn für Besonderheiten muss es besondere Regeln geben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar