Sport : Sport mit Kurven

Warum Eishockey-Klubs während ihrer langen Saison natürlichen Formschwankungen unterliegen

Claus Vetter

Berlin - Erik Cole sieht erschöpft aus. Er schüttelt den Kopf und sagt: „Ich fühle mich total wohl hier, aber die Beine wollen noch nicht so wie der Kopf.“ Wieder einmal hat der US-Amerikaner am Donnerstag als einer der letzten die Eisfläche im Sportforum verlassen. Ein zusätzliches Schusstraining hat er noch absolviert. Seit gut einer Woche ist Cole nun in Berlin. Viel haben sie beim EHC Eisbären von dem Eishockey-Star aus der nordamerikanischen Profiliga NHL erwartet. Drei Spiele für die Berliner liegen nun hinter Cole: Null Tore, null Vorlagen.

Eine dürftige Bilanz für einen von Trainer Pierre Pagé als „großartigen großen Spieler, der viele Tore schießen kann“ angekündigten Stürmer. Mannschaftsarzt Jens Ziesche ist von den Anlaufschwierigkeiten Coles aber nicht überrascht. „Er hat sieben Monate nicht auf dem Eis gestanden. Da braucht ein Spieler vier bis sechs Wochen, bis er sein Leistungsvermögen erreicht hat.“ Es sei hilfreich, dass Cole kommende Woche trainieren könne und nicht spielen müsse. Dann pausiert die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) zwölf Tage wegen des Deutschland-Cups. In den Unterbrechungen einer Saison können die Weichen für den Erfolg gestellt werden, sagt der Sportmediziner. „Köln und Krefeld haben das bewiesen. Die haben in Spielpausen im Februar ihr Trainingsprogramm umgestellt.“ Köln wurde 2002, Krefeld 2003 Deutscher Meister. Bei den Eisbären haben sie nun allerdings ein Problem: Acht Spieler sind beim Deutschland-Cup aktiv, sechs Akteure sind in Nachwuchs-Nationalmannschaften beschäftigt. „Da bleibt wohl nur individuelles Training“, sagt Trainer Pagé. Das aber sei genau der richtige Weg, sagt Ziesche. „In einer Eishockeymannschaft habe ich über 20 verschiedene Leistungsprofile. Ich muss individuell entscheiden, welcher Spieler mehr oder weniger machen muss.“

Die jüngsten Darbietungen der Eisbären waren eher dürftig. Nach zwei Niederlagen gab es am Dienstag ein 1:0 gegen den Tabellenletzten Kassel – und das nachdem die Berliner zuvor schon mal vier Spiele in Serie gewannen. Ziesche sieht die unterschiedlichen Phasen nicht als ungewöhnlich an. Kein Mensch könne seine Form über ein ganzes Jahr konservieren, weil er bestimmten Leistungszyklen unterliege. „Daraus ergeben sich Formschwankungen, die in allen Sportarten zu beobachten sind.“ Wobei ein 100-Meter-Läufer gegenüber einem Mannschaftssportler im Vorteil sei: „Der weiß genau, an welchen wenigen Tagen er fit sein muss.“ Im Eishockey sei das Wettbewerbsprogramm mit über 60 Saisonspielen umfangreicher als etwa in der Leichathletik. „Daher sind Negativserien typisch, auch für Spitzenteams. Wichtig ist, dass die Fitness stimmt. Wenn ich in der Hauptrunde nicht fit bin, werde ich auch in den Play-offs nicht fit.“

Heute spielen die Berliner in Mannheim, am Sonntag daheim gegen Krefeld. Dann beginnt die ersehnte Pause in der DEL. „Und die hat uns vergangene Saison viel gebracht“, sagt Pagé. „Nach dem Deutschland-Cup waren wir besser als vorher.“ Auch Ziesche glaubt, dass die Unterbrechung den Eisbären helfen wird. Besonders Erik Cole. Die Grundlagen für die Fitness eines Eishockeyspielers würden ohnehin im Sommer gelegt – auf dem Trockenen. Da habe Cole genug getan, sagt Ziesche. Insofern werde der Amerikaner „noch richtig zuschlagen“.

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