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Chinas behinderte Athleten bereiten sich am professionellsten auf die Paralympics in Peking vor

Annette Kögel

Berlin - China erobert derzeit nicht nur die größten Bühnen des Sports. Als kürzlich die Paralympic Challenge für behinderte Athleten in Duderstadt stattfand, stellten gleich mehrere chinesische Leichtathleten Weltrekorde auf. Sie heißen Gui Yu Na, Wen Jie Mai, Bao Zhu Zheng. In keinem anderen Land der Welt scheint Leistungssport von Athleten mit Behinderungen derzeit so ernst genommen zu werden wie in China, das 2008 die Olympischen und die Paralympischen Spiele ausrichtet. Unlängst unterzeichneten Wang Xinxian, der Präsident des Chinesischen Nationalen Paralympischen Komitees, und Karl Hermann Haack, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Peking einen Partnerschaftsvertrag. „Ich hoffe, dass der Vertragsunterzeichnung bald auch Taten folgen werden“, sagt Wen Jiabao.

China meint es ernst mit Paralympia, denn mit dem Sympathiefaktor Sport will das Land öffentlich punkten. Schon bei den vergangenen Sommerparalympics 2004 in Athen war keine Nation so erfolgreich wie die Chinesen. Das Land profitiert vom unendlich großen Reservoir an Behindertensportlern. Auch die Trainingsmethoden „sind eine völlig andere Welt“, sagt Ralf Otto, Teamchef der deutschen Leichtathleten mit Handicap.

Während die deutschen Behindertensportler vor und nach ihrem regulären Job in die Halle oder auf die Bahn gehen und ihre Trainer ehrenamtlich arbeiten, machen viele der chinesischen Athleten nichts anderes als Sport, Sport, Sport. „Unsere Leute trainieren das ganze Jahr über jeden Tag, nur der Sonntag oder nationale Feiertage sind frei“, sagt Chen Shuyie, Mitarbeiterin des chinesischen Teams am Rande des internationalen Leichtathletikmeetings in Duderstadt.

Begünstigend kommt in China vielleicht auch dazu, dass Deng Pufang, der im Rollstuhl sitzende Präsident der „Chinese Disabled Persons Federation“ Sohn des früheren Staatschefs Deng Xiaoping ist. Die Regierung engagiert sich, und auch chinesische Spitzensportler sind zu vielem bereit. Während die Athleten aus 25 Nationen in Duderstadt am Auftaktabend gemeinsam feierten, ließen sich die Chinesen von ihren Trainern um neun Uhr ins Bett schicken. „Zu Hause gehen viele von uns arbeiten oder noch in die Schule“, sagt Weitspringerin Zhang Haiyuan, „aber wir freuen uns über die erhebliche finanzielle Unterstützung von der Regierung, so werden auch unsere Alltagsprothesen bezahlt.“

Sogar Weitspringerinnen auf einem Bein lassen ihre Konkurrenz aus Deutschland mit Hightechprothesen weit hinter sich.

Dass viele Anlagen für die Spiele 2008 in Peking nicht erst kurz vor den Wettkämpfen fertig werden, kommt auch den behinderten Athleten zugute: „Wir können die neuen Anlagen schon ein Jahr vor den Paralympics fürs Training benutzen“, erzählt die Kugelstoßerin, Diskuswerferin – und natürlich Weltrekordhalterin – Yue Yang. Nach dem Finale in Duderstadt punkteten sie und ihre Mannschaftskameraden bei der Abschlussparty auch mit Lockerheit und Fröhlichkeit. Einen Unterschied gibt es übrigens noch zwischen dem Leistungssport unter schwarzrotgoldener und roter Flagge: In China werden für Weltrekorde Siegprämien ausgezahlt. Da werden die Sportfunktionäre in China in nächster Zeit noch einiges ausgeben.

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