Sportgericht : DFB hebt Favres Sperre auf

Hertha-Trainer Lucien Favre wird nicht für das Fußball-Bundesligaspiel gegen Schalke 04 gesperrt. Ein wichtiger Punktgewinn für Hertha. Allerdings muss Favre eine Geldstrafe zahlen.

Ingo Schmidt-Tychsen

BerlinVielleicht kann man es sich so vorstellen, wie ein Spiel seiner Mannschaft, bei dem Herthas Manager Dieter Hoeneß nicht anwesend ist. Immer wieder telefonierte Hoeneß am Dienstag mit seinen Leuten in Frankfurt am Main, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Dort verhandelte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes mit Hertha über eine Strafe für den Berliner Trainer Lucien Favre. Der Schweizer wurde bei seiner Dienstreise unter anderem von Justiziar Jochen Sauer unterstützt.

Am späten Nachmittag stand nach fast dreistündiger Verhandlung schließlich fest: Favre wird nicht für das Fußball-Bundesligaspiel am kommenden Sonntag gegen Schalke 04 gesperrt. Ein wichtiger Punktgewinn für Hertha. Allerdings muss Favre eine Geldstrafe in Höhe von 20 000 Euro zahlen, 5000 mehr als im ersten Urteil des DFB. „Wir sind froh, dass die Sperre weg ist“, sagte Hoeneß. Insgesamt fand der Manager die neue Strafe dennoch „zu hoch“.

Favre wurde beschuldigt, am 7. März während des Spiels in Dortmund den Schiedsrichter-Assistenten Holger Henschel am Oberarm angefasst und sich anschließend unsportlich gegenüber dem vierten Offiziellen Sascha Thielert geäußert zu haben. Der Schiedsrichter des Spiels gegen Dortmund, Babak Rafati, hatte Favre deshalb des Stadion-Innenraums verwiesen. Nach dem Spiel entschuldigte sich Favre bei den Schiedsrichtern. Mitte der vergangenen Woche hatte der DFB Favre dann zu einer Geldstrafe von 15 000 Euro und einer Innenraum-Sperre für das Spiel gegen Hansa Rostock verurteilt. Hertha ging in Berufung, weshalb die mündliche Verhandlung angesetzt wurde.

Der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Hans E. Lorenz, begründete das neue Urteil damit, dass Favres Aktion kein Chaos auf dem Platz ausgelöst habe. Entscheidend war wohl auch die Neubewertung einer Geste des Berliner Trainers, erzählte Manager Hoeneß. Der vierte Offizielle wollte gesehen haben, dass Favre dem Linienrichter einen Vogel gezeigt hat. Der Schweizer aber behauptet, mit den Händen lediglich eine Brille geformt zu haben, die „Guckt doch mal hin!“ symbolisieren sollte. Diese Version hat das Gericht für das Urteil übernommen. Ingo Schmidt-Tychsen

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