Sport : Sportkameraden ohne Fallschirm

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Richard Leipold über Schalke 04

und Jürgen Möllemann

Bei seinem gewagtesten politischen Sprung wird sich der Fallschirm des FDPPolitikers Möllemann nicht mehr öffnen. Was aber wird aus dem Sportfunktionär Möllemann? Sein Klub Schalke 04 übt sich in Solidarität. Im Zweifel für den Angeklagten. Die Haltung von Vorstand und Aufsichtsrat klingt nobel, aber sie ist naiv. Der Fußball-Klub beruft sich auf die Trennung zwischen Politik und Sport. In ihrem Bemühen um Fairness übersehen die Sportkameraden, dass es neben Sport und Politik auch noch Sportpolitik gibt. Formal berufen die Gremien des Klubs sich darauf, dass Möllemann bisher kein Unrecht nachgewiesen ist. Doch nicht einmal vom Angeschuldigten selbst ist in dieser Sache noch Widerspruch zu hören.

Letztlich sind die Schalker Führungsgremien nicht einmal selbst von Möllemanns Unschuld überzeugt, aber sie nehmen an, dass es einen guten Eindruck macht, so lange wie möglich so zu tun. Sie halten diese Sicht der Dinge für sportlich. Der Vereinsfunktionär Möllemann stammt aus der Zeit, als Mitglieder bei den Hauptversammlungen über Tisch und Bänke sprangen. Diese Zeiten sind vorbei, also wollen Vorstand und Aufsichtsrat jetzt nicht in einen Skandal verwickelt werden, mit dem sie in der Sache nichts zu tun haben.

Was geht Schalke die FDP an? Nichts - wenn Möllemann nicht wäre. Wer den Unterton in den Aussagen des Schalker Führungszirkels genau beachtet, kommt zu dem Schluss, dass auch die Führungskräfte keine Zukunft für Möllemann im Aufsichtsrat sehen. Sie warten nur darauf, dass ein Staatsanwalt oder besser noch ein Richter ihnen die Verantwortung abnimmt. Das kann dauern. Insofern mögen die Vereinskameraden Möllemanns sportpolitischen Sturz verzögern, aufhalten werden sie ihn nicht.

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