Sportler des Jahres : Eisbären haben Ost und West vereinigt

Die Eisbären haben sich zum erfolgreichsten Sportteam der Stadt entwickelt – auch weil sie Ost und West auf sich vereinigen.

Claus Vetter
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In diese Halle kommen alle. Die Eisbären begrüßen zu ihren Heimspielen regelmäßig 14 000 Zuschauer. Foto: Mike Wolff

Berlin - Vier Mal Deutscher Meister in fünf Jahren, das ist schon eine erstaunliche Bilanz. Die Eisbären beherrschen die Deutsche Eishockey-Liga wie kein anderes Team. Sportlich und auch von ihrer Popularität her: Seit dem Umzug in die neue Berliner Großarena spielen sie zuverlässig vor 14 000 Zuschauern. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Eisbären gestern wieder bei der Berliner Sportlerwahl als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet wurden.

Moskau, Montreal, Chicago, Helsinki, Prag oder Stockholm – in all diesen Metropolen ist es das Normalste der Welt, dass ein Eishockeyteam als Mannschaft des Jahres gekürt wird. Weil Eishockey dort eine größere Rolle spielt als in fast allen deutschen Städten. Auch in Berlin ist das Versagen eines Fußball-Bundesligisten naturgemäß ein viel größeres Thema als die Erfolge eines Eishockeymeisters. Insofern ist es erstaunlich, wie die Berliner ihre Popularität vergrößern konnten. Die Eisbären haben sich im Bewusstsein der Berliner nach vorn gespielt.

Sicher ist der sportliche Erfolg ein Faktor für den Erfolg beim Publikum. Den haben die Eisbären in einer Profiliga erarbeitet, in der man sich nicht mal so eben nebenbei die Titel mit einer teuren Mannschaft einkaufen kann. Dazu ist die Konkurrenz zu groß, die Adler Mannheim – gefördert vom Sportmäzen Dietmar Hopp – geben wesentlich mehr Geld für Spieler und für Nachwuchsarbeit aus als die Berliner. Aber es hatte in den jüngsten Jahren kein Klub so ein gutes Gespür für Entwicklungsarbeit wie die Eisbären. Kontinuierlich wurde in Berlin eine starke Mannschaft aufgebaut, wurden mehr als bei jedem anderen Klub in der Liga junge deutsche Spieler gefördert.

Längst sind einige der einstigen Berliner Talente zu Leistungsträgern geworden – das macht die Eisbären sportlich stabil in einer Liga, in der sportliche Instabilität der Regelfall ist. Die Konstanz der Eisbären ist für den Rest der Eishockey-Branche längst bedrückend geworden, Trainer Don Jackson hat das auch schon beobachtet: „Zwischen Düsseldorf und Frankfurt tauschen sie inzwischen DVDs mit Spielzügen von uns aus und schmieden gemeinsam an Konzepten, wie man die Eisbären schlagen kann.“ Genützt hat es bis jetzt wenig, auch in der laufenden Saison sind die Berliner wieder einmal Tabellenführer. „Weil die Eisbären ein Klub sind, in dem sich niemand in den Zeiten des Erfolges zurücklehnt“, wie ihr Manager Peter John Lee sagt. „Wir arbeiten immer an unseren Perspektiven.“

Seit Freitag, seit dem 5:4-Heimsieg gegen Augsburg, führt mit André Rankel sogar erstmals ein deutscher Spieler mitten in der Saison die interne Torschützenliste der Eisbären an. Rankel ist gebürtiger Berliner, und nicht nur das: Er kommt aus dem Westteil der Stadt, hat bei dem einstigen Rivalen der Eisbären, den Capitals, das Eishockeyspielen gelernt.

Die Eisbären vereinen Ost und West in ihrer neuen Heimat eben weit mehr, als dies das von der Fankurve zuverlässig bei jedem Heimspiel intonierte „Ost-Ost-Ostberlin“-Gejohle vermuten lässt. Selbst diese Rufe sind ein Grund für die gewachsene Popularität des Klubs. Die Eisbären polarisieren; bei den Spielen prickelt es. Zu den Eisbären haben die meisten Berliner eine Meinung, fast schon genauso häufig, wie sie eine Meinung zu Hertha haben. Nur fällt letztere zurzeit nicht überwiegend positiv aus. Bei den Eisbären gibt es selten etwas zu meckern. Auch deshalb haben sie die Wahl gewonnen.

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