Sport : Sportliches Feuer zum Ärger der Gastronomie

TAGESSPIEGEL: Können Sie an Ihrem Nervenkostüm spüren, daß am Donnerstag im Velodrom das 88.Berliner Sechstagerennen beginnt?

ZIEGE: Natürlich, es kribbelt schon ein wenig stärker.Selbst so einen alten Hasen im Geschäft wie mich kann das nicht kalt lassen.Ich freue mich unglaublich darauf.



TAGESSPIEGEL: Was kann Sie als 72jährigen Sportlichen Leiter, der seine 56.Sixdays seit 1959 erleben wird, da noch locken?

ZIEGE: Die besondere Stellung des Berliner Sechstagerennens.Intern sind sich alle Fahrer einig, daß im Velodrom das beste geboten wird.In diesem Jahr haben wir erneut ein Top-Feld beisammen, das Spannung bis zur Schlußjagd verspricht.



TAGESSPIEGEL: Blieb für Sie überhaupt noch ein Wunsch offen?

ZIEGE: Zu gern hätte ich den Fans das Straßen-Sprintas Erik Zabel geboten, aber der ist mit dem Team Deutsche Telekom dann zum Training in Australien.Ich habe dafür volles Verständnis, wenn ich daran denke, unter welchem Erfolgsdruck diese Stars in diesem Jahr wieder stehen werden.



TAGESSPIEGEL: Trauen Sie sich zu, Ihren Favoriten für die Siegerehrung am kommenden Dienstag zu nennen?

ZIEGE: Auf ein Team kann ich mich nicht festlegen, aber auf vier: Kappes/de Wilde, Risi/Betschart, Martinello/Villa und Baffi/Colinelli.Und dann gibt es noch Wolf/Madsen, von denen ich mir wünsche, daß sie zu einer Überraschung fähig sein werden.



TAGESSPIEGEL: Trotzdem nachgefragt: Die Schweizer Risi/Betschart, die in dieser Saison bereits drei ihrer 21 Sechstagesiege errungen haben, aber noch nie in Berlin siegten, müßten doch besonders motiviert sein ...

ZIEGE: Sind sie auch, wie ich von ihnen persönlich und von Patrick Sercu, der die Verträge für alle Fahrer abschließt, erfahren habe.Ich kenne jedoch auch die Ambitionen der anderen, deshalb meine Vorsicht.

TAGESSPIEGEL: Was halten Sie von dem Sechstage-Spruch, daß bei dieser Veranstaltung eigentlich nur die Fahrer stören?



ZIEGE: Gerade in Berlin trifft das überhaupt nicht zu.Die Leute im Velodrom wollen ein sportliches Feuer erleben, sicherlich auch zum Ärger der Gastronomie.Sie bleiben auf ihren Plätzen sitzen, schreiben im Programm die Wertungen mit und freuen sich auf jede Sprintrunde.



TAGESSPIEGEL: Woher rührt das Ihrer Meinung nach?



ZIEGE: Das hat etwas mit der Winterbahn-Tradition aus DDR-Zeiten zu tun.Ich betrachte es als ein Glück, daß dieses Velodrom im Osten der Stadt gebaut wurde.



TAGESSPIEGEL: Ein Glücksfall für das Berliner Sechstagerennen ist ganz bestimmt auch Heinz Seesing, der zusammen mit seiner Frau die Erfolge der Bremer Sixdays auf Berlin übertragen konnte.Wie bewerten Sie seine Leistung.

ZIEGE: Mir imponiert an ihm, wie er ohne Ausfallbürgschaft bei den riesigen Kosten und dem großen persönlichen Risiko eine Erfolgsstory nach der anderen produziert.Seesings brauchten wir mehrere in Berlin.Wir sind längst Freunde geworden.

TAGESSPIEGEL: Er hatte ja im vorigen Jahr den Gedanken, die Jahrtausendwende mit einer riesigen Fete im Velodrom zu feiern.Plötzlich ist davon keine Rede mehr.Warum?

ZIEGE: So schön dies gewesen wäre, der ökonomische Erfolg muß immer im Vordergrund stehen.Soviel ich weiß, wäre das Fernsehen, wegen der unzähligen Höhepunkte in dieser historischen Nacht, nicht präsent gewesen.Unter diesem Aspekt war es klug, davon Abstand zu nehmen.Heinz Seesing möchte mit dem Sechstagerennen im Velodrom ohnehin viel lieber weit in die zweite Januar-Hälfte hinein.

TAGESSPIEGEL: Wird die Berliner Radsporthalle aus Ihrer Sicht eigentlich für dieses Metier optimal genutzt?

ZIEGE: Ganz bestimmt nicht.Ich erhoffe mir einiges von den Bahnrad-Weltmeisterschaften im Oktober.Bislang wissen viele Berliner aus dem Westteil der Stadt noch nicht einmal, wo sich das Velodrom befindet.Es gibt noch viel zu tun.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben