Sportpolitik : Neue Köpfe für alte Ziele

Im Koalitionsvertrag ist dem Sport eine Seite gewidmet, auf der die schwarz-gelbe Regierung dem organisierten Sport mehr oder weniger eine Bestandsgarantie gibt. Wie sich die Regierung im Sport aufstellt.

Robert Ide
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Gewichtheber mit Akten. Der neue Sportminister Thomas de Maiziere. -Foto: dpa

Berlin - Sport kann eine Schule fürs Leben sein, das hat Thomas de Maizière erfahren. „Ich hatte einen Sportlehrer, der uns beigebracht hat, dass man Fehler des Gegners nicht beklatscht“, erzählte der designierte Innenminister der neuen Bundesregierung einmal, „einen verschossenen Elfmeter, den genießt man still.“ De Maizière hat also einiges gelernt im Sport – nun darf er noch einiges über den Sport lernen. Schließlich ist der CDU-Politiker als Minister künftig für die Sportpolitik zuständig. Auf diesem Terrain ist der 55-Jährige, der bislang als Chef des Kanzleramts im Hintergrund die Regierungsarbeit von Angela Merkel managte, noch nicht mit wichtigen Einlassungen aufgefallen.

Im Koalitionsvertrag ist dem Sport eine Seite gewidmet, auf der die schwarz-gelbe Regierung dem organisierten Sport mehr oder weniger eine Bestandsgarantie gibt. Demnach soll die finanzielle Förderung von Spitzenathleten „auf hohem Niveau fortgeführt“ und Münchens Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 als „nationales Anliegen“ unterstützt werden. „Diese Zusagen sind eine hervorragende Grundlage für unsere Zusammenarbeit mit der Regierung“, sagte Thomas Bach, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem Tagesspiegel. „Wir sind sehr erfreut, dass die gesellschaftliche Bedeutung des Sports und seine Autonomie im Koaltionsvertrag betont werden.“ Darüber hinaus dürfte Bach mit Genugtuung registriert haben, dass ein von der Opposition gefordertes, aber vom DOSB abgelehntes eigenes Anti-Doping-Gesetz mit keinem Wort erwähnt wird. Und womöglich dürfte ihm auch gefallen, dass der bisher für den Sport engagierte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nun über die Staatsfinanzen wacht. „Herr Schäuble wird den Sport sicher nicht aus den Augen verlieren“, ist sich Bach sicher.

Schlecht wäre das nicht, schließlich bietet die Koalition aus Union und FDP sportpolitisch einige Neulinge auf – nicht nur im Ministerium. Völlig offen ist etwa, wie sich die FDP im Sportausschuss des Bundestag aufstellen will, nachdem der bisherige Experte Detlef Parr ausgeschieden ist. In Koaltionskreisen herrscht hier großes Rätselraten. Am Wochenende wurde immerhin kolportiert, dass Parteichef Guido Westerwelle vor seiner Fraktion bekräftigt habe, dass der Sport weiterhin als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen werden solle. Die Union hatte sich allerdings bislang gegen diesen Vorschlag gestellt.

Den Vorsitz des Sportausschusses, den der umtriebige SPD-Politiker Peter Danckert nach der Wahlniederlage seiner Partei räumen muss, dürfte wohl einem Politiker aus der Union zufallen. Dafür kämen sowohl der bisherige CDU-Sportsprecher Klaus Riegert als auch der frühere Turner Eberhard Gienger in Frage. Außenseiterchancen kann sich CSU-Mitglied Stephan Meyer machen, der sich naturgemäß als Verfechter der Münchner Olympiabewerbung hervorgetan hat. Mit einer Entscheidung wird spätestens in der übernächsten Woche gerechnet. Dann soll auch die Kanzlerin im Bundestag gewählt werden – und der neue Sportminister Thomas de Maizière.

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