Sportpolitik : Steinbach schlägt Bach als DOSB-Präsidenten vor

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, steht nicht für ein Führungsamt im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zur Verfügung. Er schlug zugleich Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), als DOSB-Präsidenten vor.

Frankfurt/Main - Klaus Steinbach hat den Weg für Thomas Bach als ersten Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) freigemacht. «Der deutsche Sport wird im DOSB seine Stärken bündeln und gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit einer Stimme sprechen. Ich halte Thomas Bach für den besten Kandidaten, den wir in Deutschland für diese Aufgabe haben», teilte der NOK-Präsident der Findungskommission des deutschen Sports am Dienstag mit. Zugleich erklärte der 52 Jahre alte Mediziner, dass er für kein Führungsamt im DOSB zur Verfügung stehe. Darüber hatte er Bach bereits am Montag informiert.

Die am 10. Dezember in Köln beschlossene Fusion von Nationalem Olympischen Komitee (NOK) und Deutschem Sportbund (DSB) zum neuen Dachverband soll am 20. Mai in Frankfurt/Main in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und IOC-Präsident Jacques Rogge vollzogen werden. DSB-Präsident Manfred von Richthofen (72) verzichtet aus Altersgründen auf eine Führungsrolle im DOSB. Die fünfköpfige Findungskommission, die den Geschäftsführenden DFB- Präsidenten Theo Zwanziger am Dienstag zu ihrem Sprecher gewählt hat, soll der DOSB-Vollversammlung Vorschläge für die Besetzung des 11-köpfigen Präsidiums unterbreiten.

«Es ist klar, dass mich der Vorschlag des amtierenden NOK-Präsidenten und Freundes besonders in die Pflicht nimmt», sagte Bach. Eine öffentliche Zusage, ob er für die DOSB-Präsidentschaft zur Verfügung stehe, werde er «aus Respekt vor der Findungskommission nicht abgeben. Sie benötigt die notwendige Autorität, und die werde ich nicht durch öffentliche Erklärungen untergraben», sagte Bach. Sein Gespräch mit der Findungskommission soll spätestens in der kommenden Woche geführt werden.

Zwanziger sagte: «Nun ist klar, dass wir uns auf Thomas Bach konzentrieren. Ich mache keinen Hehl daraus, er ist ein Topkandidat. Wir alle wollen einen starken DOSB-Präsidenten. Thomas Bach wäre das.» In dem Gespräch mit der Findungskommission gehe es nun darum, «seine Vorstellungen und Erwartungen zu hören».

Der 52 Jahre alte Wirtschaftsanwalt und ehemalige Fecht-Olympiasieger aus Tauberbischofsheim gilt als herausragende Persönlichkeit des deutschen und internationalen Sports. Vor fünf Wochen war Bach erneut zum Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt worden. Dabei hatte er betont, dass diese Wahl unabhängig von einer DOSB-Präsidentschaft zu sehen sei, und hinzugefügt: «Wenn der DOSB-Präsident eine starke internationale Verankerung hätte, könnte das nicht schaden.»

Der 2002 als Nachfolger von Walther Tröger zum NOK-Präsidenten gewählte Steinbach hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können. Für seinen Verzicht führt er berufliche Gründe an. «Meine Tätigkeit als Ärztlicher Direktor der Hochwaldkliniken Weiskirchen verlangt vor dem Hintergrund der derzeitigen gesundheitspolitischen Situation meinen ungeteilten Einsatz und meine volle Konzentration», sagte der NOK-Präsident, dessen Entscheidung bei den Olympischen Winterspielen in Turin reifte. Jedoch musste der 52 Jahre alte ehemalige Spitzenschwimmer befürchten, unter den Fachverbänden keine Mehrheit für ein DOSB-Präsidiumsamt zu finden.

Bach sagte: «Ich hoffe, dass er sich für ein herausragendes Amt im deutschen Sport zur Verfügung stellt. Ich werde mich dafür einsetzen.» Zwanziger bezeichnete Steinbachs Verzicht als «sehr respektablen Schritt. Man muss ihm das hoch anrechnen». Da Steinbach ein Amt im DOSB ausschließt, bliebe noch die Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) als Betätigungsfeld. Dessen Vorsitzender Hans Wilhelm Gäb hat erklärt, nicht über dieses Jahr hinaus an der Spitze der Stiftung bleiben zu wollen.

Zunächst will Steinbach die Fusion weiter vorantreiben. Am 23. März treffen sich Vertreter von NOK, DSB und DSH, um die künftige Vermarktung des DOSB festzuschreiben. «Da gibt es noch Klärungsbedarf in einigen Punkten», sagte der NOK-Chef auf Abruf. (Von Eric Dobias und Günter Deister, dpa)

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