Sportpolitik : Walther Tröger: "Fusion war ein gravierender Fehler"

Von einer olympischen Ehrenrunde will Walther Tröger nichts wissen. Mit ungebremstem Elan bereitet sich der 78-Jährige auf das letzte Teilstück seines Funktionärs-Marathons vor. Die Fusion von NOK und DSB hält er nach wie vor für einen Fehler.

Sven Busch[dpa]
Walther Tröger
Walther Tröger , ehemaliger Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). -Foto: ddp

HamburgDie Wiederwahl Walther Trögers als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf der 119. Vollversammlung in der kommenden Woche in Guatemala gilt als Formalie. "Von der Exekutive ist sie bereits abgesegnet, mit der Zustimmung der Vollversammlung ist zu rechnen", sagt Tröger. Einen direkten deutschen Nachfolger wird es nach seinem Ausscheiden nicht geben. Das lassen die IOC-Regeln nicht mehr zu. Seit 1999 gibt es wegen des Korruptionsskandals um Salt Lake City nur noch eine achtjährige Amtszeit für IOC-Mitglieder, die sich danach der Abstimmung ihrer Kollegen stellen müssen.

Der ehemalige IOC-Sportdirektor (von 1983 bis 1990) macht jetzt also erst mit 80 Schluss. Vergessen ist sein Versprechen, mit 70 den IOC-Dienst einzustellen. "Das macht keinen Sinn mehr, da es nach den neuen Regeln Ersatz oder Nachfolger nicht mehr geben kann", erklärt der langjährige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Immerhin dürfte er nach dem Ende seiner Amtszeit 2009 IOC-Ehrenmitglied werden und so weiter an den Sessionen teilnehmen können.

Ein Mann der Basis?

"Es wird so viel über die Chance diskutiert, wie Deutschland angemessen oder besser im Weltsport vertreten ist. Ich meine, man sollte dankbar sein für die Chance, die sich mir noch zweieinhalb Jahr mit hoher Anerkennung von vielen Seiten bietet", betont Tröger, der Berthold Beitz 1989 ins IOC folgte. Gesundheitlich fühlt er sich "dank Radfahren und ab und zu Skifahren" gut.

Unermüdlich will er auch nach mehr als einem halben Jahrhundert Einsatz für den nationalen und internationalen Sport weiter Dinge bewegen. "In den Funktionen, die ich noch habe, möchte ich meine Erfahrung und Kräfte so lang wie möglich zur Verfügung stellen", sagt Tröger. Und Ämter hat er noch jede Menge. Zum Beispiel den Vorsitz der IOC-Kommission "Sport für alle", in der er sein Selbstverständnis, ein Mann der Basis zu sein, ausleben kann. Oder die Aufgabe, als IOC-Delegierter für den Behindertensport mitverantwortlich zu sein. "Ich bin bestimmt noch in 20 Organisationen eingebunden", erzählt Tröger nicht ohne Stolz und versucht erst gar nicht, sein Medien-Image des "mausgrauen Berufsfunktionärs" (Die Welt) zu bekämpfen.

Einst selbst als Basketballer, Handballer und Leichtathlet aktiv, hat sich der Jurist aus Franken nach oben gedient. 1972 war er Bürgermeister im Olympischen Dorf in München, zwischen 1976 und 2002 fungierte er acht Mal als Chef de Mission bei Winterspielen und 1992 übernahm er das Erbe von Willi Daume als NOK-Präsident, ehe er 2002 von Klaus Steinbach aus dem Amt verdrängt wurde. Tröger hat wohl damals wohl kaum geahnt, dass seine enttäuschten Worte nach der Niederlage ("ich sitze nun nicht mehr ständig auf der Bühne, sondern mehr im Zuschauerraum") Symbolcharakter haben sollten für seinen Status als gestürzte Nummer eins im deutschen Sport.

"Ich habe die Ämter immer genossen"

Die Fusion zwischen NOK und dem Deutschen Sportbund (DSB) gab dem Honorarprofessor der Universität Potsdam den Rest. "Ich halte die Fusion nach wie vor für einen gravierenden Fehler, aber das war vorgestern. Ich will nicht nachkarten. Das positive Kontrastprogramm DSB und NOK hätte genutzt werden sollen, den DSB voranzubringen", sagt Tröger. Kein Wunder, dass sein Verhältnis zu DOSB-Chef Thomas Bach, mit dem er im DOSB-Präsidium "in der Sache vertrauensvoll zusammenarbeitet", angespannt bleibt. In Guatemala werden sich die beiden vereint enthalten müssen, wenn am kommenden Mittwoch die Olympischen Winterspiele 2014 vergeben werden. Salzburgs Bewerbung mit der Bob- und Rodelbahn im bayrischen Königssee birgt einen Interessens-Konflikt.

Große Melancholie will der nüchterne Analytiker Tröger nur bedingt zulassen. "Ich habe so oft Wiedersehen gesagt in der jüngeren Vergangenheit, dass ich mich schon dran gewöhnt habe, aber Wehmut ist immer dabei", gab er zu, "ich habe die Ämter, die mir so zugeflossen sind, immer genossen. Und ich arbeite auch sehr gern mit Jacques Rogge zusammen." In Guatemala beginnt seine olympische Verlängerung. (mit dpa)

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