• Sportpsychologin Kugler über die Tränen von Sabine Lisicki: "Emotionen sind stärker als das Bewusstsein"

Sportpsychologin Kugler über die Tränen von Sabine Lisicki : "Emotionen sind stärker als das Bewusstsein"

Heike Kugler arbeitet mit Einzel- und Mannschaftssportlern, unter anderem mit der Leichtathletik-Nationalmannschaft. Die 50 Jahre alte Sportpsychologin über die Emotionen von Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki.

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Weinen ist menschlich. Sabine Lisicki hat viele Sympathien gewonnen.
Weinen ist menschlich. Sabine Lisicki hat viele Sympathien gewonnen.Foto: dpa

Frau Kugler, Sabine Lisicki gilt als emotional starke Spielerin und holt oft Rückstände auf. Dennoch überkamen sie schon im zweiten Satz des Finales Tränen. Wie erklären Sie das als Sportpsychologin?

Es kommt auf die innere Einstellung an, die sie vorher aufgebaut hat. Also darauf, was sie vor dem Spiel von sich erwartet hat, aber auch, was sie glaubt, was andere von ihr erwarten. Da hat sie vielleicht gemerkt, dass die Situation doch eine Nummer zu groß ist. Tränen sind oft ein Zeichen von Überwältigtsein. Nach den vielen emotional anspruchsvollen Spielen in den Tagen zuvor war sie nun offenbar überfordert.

Steffi Graf hatte ihr geraten, das Finale als ganz normales Spiel zu betrachten. Kann das gut gehen?

Da bin ich zwiegespalten. Es ist einerseits richtig, sich kurz vorher nicht verrückt zu machen. Aber die emotionale Bedeutung des Ganzen, die sollte man sich vorher schon bewusst machen, und zwar rechtzeitig, am besten vor dem Turnier. Die Situation in einem Finale ist eben nicht normal, dafür ist sie zu mächtig. So kann man versuchen, sich emotional etwas zu immunisieren, das macht einen dann stabiler.

Das Wimbledon-Finale und das Drumherum in Bildern
Siegerehrung in Wimbledon, die Berlinerin Sabine Lisicki muss sich mit der kleinen Schale zufrieden geben. Sehen Sie die Bilder vom Centre Court und dem ganzen Drumherum hier in unserer Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: AFP
06.07.2013 21:12Siegerehrung in Wimbledon, die Berlinerin Sabine Lisicki muss sich mit der kleinen Schale zufrieden geben. Sehen Sie die Bilder...

Kann man nach einem solchen Gefühlsausbruch wie Lisicki ihn gezeigt hat, überhaupt noch einmal in einen konzentrierten Zustand zurückfinden?

Es ist lernbar, Emotionen selbst zu regulieren, mit Techniken zur Entspannung und der richtigen Einstellung. Außerdem sind ganz heftige Reaktionen zeitlich begrenzt, sagen wir auf 20 Minuten. Es bringt aber nichts, Emotionen ganz zu unterdrücken. Emotionen sind stärker als das Bewusstsein. Man muss seine emotionalen Verhaltensmuster kennen und einen versöhnlichen Umgang mit ihnen finden. Wichtig für Sabine Lisicki wird nun sein, ihre Emotionen wirklich gut zu verdauen, dann wird sie aus dieser Erfahrung gestärkt hervorgehen.

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