Sportveranstaltungen : Berliner Trendsport: Auslaufen

Nach dem Verlust von German Open und Frauen-Pokalfinale bangt die Stadt um ihren sportlichen Status.

Friedhard Teuffel
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Das Reitturnier CHI hat Berlin bereits verlassen. -Foto: ddp

Berlin - Die Reiter haben die Stadt längst verlassen, die besten Tennisspielerinnen ebenfalls und andere Spitzensportler könnten folgen. Das sportliche Berlin hat zuletzt einige schmerzhafte Niederlagen einstecken müssen. Erst hat die Stadt das Reitturnier CHI verloren, dann in diesen Tagen hintereinander die German Open der Tennisspielerinnen und das Pokalfinale der Fußballerinnen. Damit nicht genug: Das Leichtathletikmeeting Istaf wackelt; wenn es auch noch fällt, würde etwas Schönfärberei dazugehören, um Berlin noch eine Sportmetropole zu nennen.

Der Sport in Berlin stand bisher stabil auf einigen Säulen: Bundesligaklubs in den größten Spielsportarten, Weltmeisterschaften, Großveranstaltungen, die jedes Jahr stattfinden, moderne Sportanlagen, wie die Arena am Ostbahnhof, dazu eine blühende Vereinslandschaft. Doch einige dieser Säulen sind weggebrochen. An regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen mit überregionaler Bedeutung sind der Berlin-Marathon und das DFB-Pokalfinale geblieben. Hinzu kommen Sechstagerennen und Schwimm-Weltcup.

Nach den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August haben viele der großen Sportarten mit ihren internationalen Meisterschaften in Berlin Station gemacht. „Es ist klar, dass man auf dieser hohen Ebene das Niveau kaum halten kann“, sagt Thomas Härtel, der für Sport zuständige Staatssekretär im Senat, „aber wir werden auch in den nächsten Jahren Großveranstaltungen in Berlin haben.“

Den Zuschlag für die Europameisterschaften im Geräteturnen 2011 hat Berlin bereits bekommen, im selben Jahr findet auch das WM-Eröffnungsspiel der Fußballerinnen im Olympiastadion statt. Beworben hat sich die Stadt zudem um die Schwimm-EM der Behinderten 2011, die Mannschafts-WM im Tischtennis 2012, außerdem hätte sie gerne Spiele der Volleyball-EM der Frauen 2013, der Handball-EM, entweder der Frauen oder der Männer, 2014 sowie die Kurzbahn-WM der Schwimmer 2014, die Welt-Gymnaestrada 2015 und 2017 das Internationale Deutsche Turnfest. „Ich schließe auch nicht aus, dass wir das DFB-Pokalfinale der Frauen irgendwann nach Berlin zurückholen“, sagt Härtel. Den Vertrag für das Männerfinale werde der Senat jedenfalls noch in diesem Frühjahr mit dem Deutschen Fußball-Bund verlängern.

Zunächst steht jedoch die Zukunft des Istaf auf dem Spiel, und von ihm hängt einiges ab. Mit dem Ende des Istaf verlöre das Olympiastadion seine größte Sportveranstaltung außerhalb des Fußballs und die deutsche Leichtathletik ihr wichtigstes Meeting. „Die Chancen stehen derzeit bei 50:50“, sagt Istaf-Geschäftsführer Gerhard Janetzky. Er habe gemeinsam mit Werner Gegenbauer, dem anderen Gesellschafter des Meetings, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit versprochen, das Istaf bis 2009 durchzuführen. „Alles weitere hängt von der wirtschaftlichen Situation ab, vom Fernsehvertrag, von Sponsoren und vom Internationalen Leichtathletik-Verband“, sagt Janetzky.

„Das Istaf hat absolute Leuchtturmfunktion. Deshalb ist der Senat aufgefordert, alles zu tun, um das Istaf zu halten“, sagt Andreas Statzkowski, der sportpolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus und ergänzt: „Hoffentlich stellt sich der Senat dabei erfolgreicher an als bei der Akquise von nationalen und internationalen Sportverbänden.“

Für das Istaf kann der Senat auf jeden Fall mehr tun als etwa für die German Open der Tennisspielerinnen. Denn das Olympiastadion gehört der Stadt. „Wir werden unseren Beitrag für das Istaf leisten, an uns soll es nicht scheitern“, sagt Härtel. Die Zukunft des Istaf soll sich in diesem Quartal entscheiden, vielleicht schon nach einem Treffen Ende Februar zwischen Janetzky und Lamine Diack, dem Präsidenten des Internationalen Leichtathletik-Verbandes. Die Golden League, dem das Istaf angehört, soll von sechs auf zwölf Meetings vergrößert werden, acht davon werden in Europa liegen. „Es ist völlig offen, ob Berlin dazugehören wird“, sagt Janetzky.

Die große Schwäche Berlins lautet für ihn: „Es gibt keine Sponsorenkultur für den Sport.“ Janetzkys Vorschlag ist daher ein Sponsorenpool nach dem Vorbild von „Partner für Berlin“. Unternehmen zahlen ein, und Berlin kauft sich große Sportveranstaltungen, eine nach der anderen.

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