Sport : Sprenger wehrt sich gegen „Lügen“

Radpräsident Scharping stärkt Vize den Rücken

Jörg Hanau

Wiesbaden - Udo Sprenger ist um Lockerheit bemüht, als er am Mittwoch im ersten Stock eines Wiesbadener Hotels den Konferenzraum betritt. „Schönen guten Morgen“, ruft der 61 Jahre alte Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) den Journalisten zu. Sprenger huscht sogar ein Lächeln übers Gesicht. Wie sich der Radsportfunktionär und ehemalige Manager des Team Nürnberger tatsächlich fühlt, ist angesichts der seit Montag im Raum stehenden Dopingvorwürfe nicht schwer zu erahnen. Im ARD-Magazin „Report“ hatte ein anonymisierter Zeuge von systematischem Doping und schwarzen Kassen im Team Nürnberger berichtet – gesteuert von eben jenem Udo Sprenger.

„Eine Lüge“, wiederholt Sprenger zu Beginn der Pressekonferenz, die eigentlich die am Wochenende in Wiesbaden anstehende deutsche Straßenradmeisterschaft zum Inhalt haben sollte. Drei Minuten nimmt sich der Kriminalbeamte a.D. Zeit, um die Geschehnisse der vergangenen zwei Tage noch einmal zusammenzufassen. „Ich habe Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt und ein Dutzend Zeugen benannt“, sagt Sprenger. Mehr gibt es aus Sicht des ehemaligen BKA-Drogenfahnders dazu zunächst nicht zu sagen. Schließlich gehe es um die Meisterschaft am Wochenende. Aber: „Die Vorwürfe gegen mich belasten den Event.“

Das weiß auch Jens Zemke von der Equipe Nürnberger. Der jetzige Sportliche Leiter der erfolgreichen deutschen Frauenmannschaft und einstige Profi im Team Nürnberger zählt zu Sprengers Zeugenprogramm. „Zehn Jahre bin ich unter seiner Führung gefahren. Es gab im Team Nürnberger kein systematisches Doping, deshalb stärke ich wie viele andere meiner Kollegen Udo Sprenger den Rücken.“ Die Namen der Getreuen nennt Zemke nicht. Die bekommt vorerst nur die Staatsanwaltschaft Wiesbaden zu hören. „Haben Sie dafür bitte Verständnis.“

Rudolf Scharping, der BDR-Präsident, meldete sich gestern über die Deutsche Presseagentur zu Wort. „Ein anonymer Feigling hat einen unbescholtenen Kriminalbeamten beschuldigt. Gut, dass das jetzt in Händen der Staatsanwaltschaft liegt“, sagte Scharping. Der ehemalige Verteidigungsminister muss im Juli zum Rapport zu Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nach Berlin. Der Bund alimentiert den Radsport jährlich mit rund 2,5 Millionen Euro Steuergeldern und plant, die Straßen-WM im September mit 150 000 Euro zu bezuschussen. Scharping wollte zum Inhalt des Treffens nichts sagen. Jörg Hanau

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