Sport : Springer Klein versetzt China in Angst

Erik Eggers

Peking - Seit ein paar Tagen ist Sascha Klein nun in Peking, aber der Wasserspringer hat es noch nicht geschafft, sich die Sehenswürdigkeiten der 17-Millionen-Metropole anzuschauen. „Ich war noch nicht außerhalb des Olympischen Dorfes“, sagt der 22-Jährige von Neptun Aachen. Ist vielleicht auch besser so. Sonst würde der Sportsoldat vielleicht noch einen Massenauflauf von Autogrammjägern verursachen. „Hier bin ich bekannter als in Deutschland“, sagt er.

Das kann man wohl sagen. Wasserspringen ist überaus populär in China, und Klein ist ein Star der Szene. Deshalb erstarrten Chinas Fans förmlich, als dieser Deutsche in der Königsdisziplin, dem Springen vom Zehnmeter-Turm, Ende Februar beim Weltcup die chinesische Elite bezwang, noch dazu in Peking. Danach prangte das Bild Kleins auf allen Titelseiten.

Geschockt waren Chinas Trainer von der technischen Brillanz Kleins. „Das war die schwerste Serie der Welt“, sagte damals Bundestrainer Lutz Buschkow. Sogar einen viereinhalbfachen Salto brachte Klein damals fast perfekt ins Wasser. Klein zog sein Programm kaltblütig durch, obwohl die Fans jeden Fehler der chinesischen Konkurrenten beklatschten. „Sein Auftritt war erstaunlich“, sagte Buschkow.

Klein ist ein Senkrechtstarter. „Irgendwie bin ich immer besser geworden“, sagt er bloß. Aber er sieht sich gleichwohl als Außenseiter. „Die Chinesen stehen schwer unter Druck“, sagt der 22-Jährige, der mit Pavlo Rozenberg auch im Synchron-Springen vom Drei-Meter-Brett eine Medaille gewinnen könnte.

Es sind zwar Kleins erste Olympische Spiele, aber er wirkt schon bemerkenswert abgeklärt. Er brauche keinen Psychologen, sagte er fast teilnahmslos. Die 17 000 Zuschauer in der Halle, das motiviere ihn eher. Und deshalb sagt er auch mit Pokerface: „Ich versuche, meine Leistung vom Weltcup zu wiederholen.“ Für Chinas Trainer klingt das wie eine Drohung. Erik Eggers

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