Springreiten : Das ganz späte Comeback

44 Jahre wartete der Japaner Hiroshi Hoketsu auf seine zweite Olympiateilnahme.

Nikolaus Schmidt[Hongkong]
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Routinier im Geviert. Hoketsu Hiroshi auf "Whisper".Foto: AFP

Hiroshi Hoketsu musste viel Geduld haben – ganz viel Geduld. Volle 44 Jahre lagen zwischen seinem ersten und seinem zweiten Olympiastart. Der heute 67-jährige Japaner ist der älteste Teilnehmer der olympischen Reitwettbewerbe in Hongkong und der älteste Sportler, der Japan je bei Olympischen Spielen vertreten hat.

1964 in Tokio war er als 22-Jähriger erstmals im Springen dabei. „Die Welt war eine andere, wir alle waren Amateure“, erinnert er sich. Damals wurde er Vierzigster, der Wunsch, es noch einmal zu versuchen, blieb. Zweimal stand er auf der Reserveliste, doch erst jetzt bekam er eine erneute Chance – im Dressurviereck.

Zwischen beiden Auftritten liegt eine beeindruckende Karriere: Hoketsu war ein erfolgreicher Industriemanager, Präsident einer pharmazeutischen Firma, sitzt heute noch in verschiedenen Aufsichtsräten.Vor fünf Jahren beschloss er, sich wieder ganz dem Reitsport zu widmen. „Mein Frau sagte, du hast jetzt wirklich genug gearbeitet, jetzt sollst du tun, was dir Spaß macht.“

Die Familie hat Verständnis

Hoketsu wollte sich noch einmal beweisen, auf höchster, möglichst olympischer Ebene. Dressurreiten lernt man in Europa, also tauchte Hoketsu beim Aachener Trainer Ton de Ridder auf. Frau und Tochter ließ er zu Hause. Sie hatten Verständnis für seine Träume. De Ridder hatte bereits seine eigene Frau Alexandra Simons de Ridder bis zur olympischen Goldmedaille 2000 in Sydney geführt und gilt als einer der Besten in seinem Metier.

In Süddeutschland fand de Ridder die Stute Whisper für seinen olympisch ambitionierten Schüler: sehr schön, aber auch kapriziös. Die beiden fanden zusammen und wurden im Frühjahr dieses Jahres ins japanische Olympiateam berufen.

Die Stute scheut

Hoketsu, drahtig und durchtrainiert wie ein fitter 50-Jähriger, spielt seine Jahre gerne herunter. Doch natürlich spielte es eine Rolle beim Wechsel in die etwas beschaulichere Dressur. „Beim Springreiten muss man ein sehr gutes Auge haben, Distanzen genau abschätzen können. Diese Fähigkeit lässt im Alter nach“, gibt er zu.

Der große Auftritt am Donnerstag verlief aber nicht ganz wie erhofft. Zwar fing das Paar sehr gut an und wurde mit hohen Noten belohnt, aber dann trat das ein, was Hoketsu am meisten fürchtete: Seine Stute scheute vor der großen Videowand. Dabei war im Stall vor der Box von Whisper sogar vorsorglich ein Fernseher installiert worden, der Tag und Nacht lief. Am Schluss reichte es nur zu Platz 35. Das bedeutet allerdings keineswegs das Ende der Karriere des Japaners. Jetzt peilt er die Olympischen Spiele in London 2012 an. Dann wäre er 71.

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