Sport : Sprint zu Silber

Langläuferin Claudia Künzel wird Zweite

Hartmut Scherzer[Pragelato]

Wer zweimal Zweiter wird, dem bleibt die Frage nach der „ewigen Zweiten“ nicht erspart. Nach der Staffel hat Claudia Künzel im Sprint ihre zweite Silbermedaille in der Loipe von Pragelato gewonnen. Um eine schlagfertige Antwort war sie nicht verlegen. „Ach wissen Sie“, erwiderte sie mit überlegenem Lächeln, „ich bin als zweites von drei Kindern geboren, also geborene Zweite. Daher ist das nicht so schlimm. Ich bin das seit mehr als 20 Jahren gewöhnt.“ Dass sie nicht Gold gewann in der 1,1 Kilometer langen Langlauf-Hatz im Skatingstil, lag an der kanadischen Newcomerin in der Sprinterszene, der 22 Jahre alten Chandra Crawford, einer reinen Spezialistin, die auf der Zielgeraden des Vierer-Finales Claudia Künzel und der Russin Alena Sidko davon spurtete.

Für Claudia Künzel, 28 Jahre alt und aus Oberwiesenthal im Erzgebirge stammend, bedeutet Skilanglauf nicht nur, kurz und schnell ins Ziel zu kommen. Von 1,1 bis 30 Kilometer läuft sie jede Strecke in jedem Stil. Während sie bei den Winterspielen also bereits drei Rennen in den Beinen hatte, die 15-Kilometer-Verfolgung (sie wurde 18.), die 10 Kilometer klassisch (17.) und ihren phantastischen Schlussspurt in der 4 x 5-Kilometer-Staffel, hatte sich Chandra Crawford allein auf den Sprint konzentriert und war frisch ins die Rennen gegangen.

Die vier Frauen im Finale waren auch tatsächlich die besten unter den 66 Teilnehmerinnen. Sie gewannen alle ihre Sprints in der Qualifikation, im Viertel- und Halbfinale. Im Finale aber konnte eben nur eine gewinnen. Manuela Henkel schied als unglückliche Dritte ihres stark besetzten Viertelfinales aus und war darüber so unglücklich, dass sie von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Sie wurde am Ende Zwölfte. Es waren nicht ihre Winterspiele bei der dritten Teilnahme. „Am meisten hat mich geärgert, dass ich nicht im Teamsprint eingesetzt wurde“, sagte sie, nachdem sie die Tränen weggewischt hatte. Für die Staffel war sie von vornherein nicht vorgesehen. Stefanie Böhler scheiterte ebenfalls im Viertelfinale und wurde Zwanzigste. Die Olympia-Debütantin Nicole Fessel war bereits in der Qualifikation ausgeschieden.

Bundestrainer Jochen Behle stapfte nach dem Triumph von Claudia Künzel schmunzelnd durch den Schnee. Die vierte Medaille, die dritte in Silber für die deutsche Mannschaft – Jochen Behle hat sein vorgebenes Soll „zwischen zwei und fünf Medaillen“ erreicht. Hatte er Claudia Künzel diese Leistung überhaupt zugetraut? „Ja, im Sprint auf jeden Fall. Ihre Einzelergebnisse über die Distanzstrecken lagen unter ihrem eigentlichen Leistungsniveau“, sagte der Bundestrainer. „Aber wenn sie dann im Sprint für alles entschädigt, bin ich natürlich zufrieden.“

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