Sprinter Greipel wird zum Olympia-Favoriten : Gold im Sinn

André Greipel fuhr am Samstag zu seinem dritten Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France. Von englischen Journalisten wurde der Sprinter nun zum Favoriten für die Olympischen Spiele erklärt.

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Der dritte Streich. André Greipel beim Gewinn der 13. Etappe der Tour. Foto: AFP
Der dritte Streich. André Greipel beim Gewinn der 13. Etappe der Tour. Foto: AFPFoto: AFP

Am Montag wird André Greipel 30 Jahre alt. Schon 30 Jahre alt. Denn die Karriere des Rostockers scheint erst dieser Tage bei der Tour de France ihre Initialzündung zu finden. Drei Etappensiege hat Greipel nun schon auf der Frankreich-Rundfahrt hinter sich gebracht. Eine erstaunliche Bilanz für einen Radprofi, dessen Qualitäten lange unterschätzt wurden – von seinen Teams, die ihn nicht immer nach seinen Sprintfertigkeiten einsetzten und womöglich auch von ihm selbst. Doch spätestens seit Samstag ist alles anders: Da fuhr Greipel zu seinem dritten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt, mit bandagiertem Ellenbogen und lädierter Schulter.

Um Zentimeter schlug er auf der 13. Etappe im Ziel von Cap d’Agde den Mann im Grünen Trikot, den Slowaken Peter Sagan. Damit verschaffte sich Greipel viel Respekt: Auch der einstige Sprintstar Sean Kelly war beeindruckt. „Monströs viel Kraft“ habe der Rostocker, sagte der viermalige Sieger des Grünen Trikots aus Irland. Vor allem ist Kelly begeistert davon, dass Greipel sich von dem giftigen Anstieg des Mont St. Clair am Samstag nicht um die Sprintchance bringen ließ. André Greipel hat auch viel für seine Kraft gearbeitet: Sein Oberkörper ist muskulöser als der vieler anderer Radprofis. Und neben der Physis für so ein schweres Rennen wie auf der 13. Etappe hat er inzwischen auch die psychische Stärke und den Instinkt, den ein Sprinter im Ziel braucht.

Mit seinem Coup an der Mittelmeerküste hat Greipel seiner Serie von überraschenden Auftritten einen weiteren hinzugefügt. Erst gewann er auf der vierten Etappe einen Sprint hinter seinem Lotto-Team. Tags darauf lieferte er eine Großtat ab, als er trotz einer aus- und wieder eingerenkten Schulter erneut den Etappensieg holte. Und nun am Samstag der Erfolg nach dem Aufstieg zum St. Clair. „Das war die Schlüsselstelle. André war zwar unter den Letzten dort. Aber er blieb in der großen Gruppe“, sagte sein deutscher Teamkollege Marcel Sieberg. Wohl aufgrund dieser Nehmerqualitäten wurde Greipel jetzt von englischen Journalisten zum Favoriten für die Olympischen Spiele erklärt. In Frankreich fragten nun einige bei ihm nach, ob er das denn mit London auch so sehe. Doch Greipel wiegelte ab: „Das war nur ein Berg. Olympia wird ein anderes Rennen.“

Understatement hat er gelernt in seinen vielen zurückliegenden Karrierejahren, da war er eben der Mann aus der zweiten Reihe. Da gab es keinen Grund herumzuprahlen. Seine Siege bei der Tour 2012 hätten ihn nicht wesentlich verändert, sagt er nun. „Ich bleibe mit beiden Beinen am Boden.“ Man möchte es ihm glauben, er gibt sich jedenfalls betont locker und lässig. Wie war das mit den Schmerzen auf der Fahrt nach St. Quentin? „Solche Geschichten mit der Schulter sind mir vorher schon passiert“, sagt Greipel. „Es macht schnapp, es tut höllisch weh, aber das war’s dann.“

Am Sonntag, bei der 14. Etappe ruhte sich Greipel aus und kam als 119. ins Ziel. Im Ziel von Foix lag der Spanier Luis-León Sanchez vorn, 47 Sekunden vor der Gruppe um Sagan, der wieder Zweiter wurde. Heute, an seinem 30. Geburtstag, stehen die Chancen auf einen Erfolg im Sprint wieder besser: Das Etappenfinish ist flach und damit für einen vierten Sieg für André Greipel perfekt geeignet. Vorher könnten ein paar Hügel Ausreißern Vorteile verschaffen. „Mal sehen, ob das Hauptfeld überhaupt vorne ankommt“, sagt André Greipel.

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