Sport : Spritziger Abgang

Der Hamburger SV verliert in Leverkusen, weil er sich auf ein offenes Spiel eingelassen hat

Stefan Hermanns

Leverkusen - Ziemlich zum Ende eines Abends, an dem die Toleranzgrenzen des Huub Stevens einer ernsten Prüfung unterzogen wurden, wagte Bernd Schneider noch eine Probe aufs Exempel. Der Leverkusener Nationalspieler war nach seiner Auswechslung auf dem Weg in die Kabine, und als er auf Höhe des Hamburger Trainers ankam, drückte er einmal auf seine Wasserflasche und setzte Stevens von hinten einen kräftigen Strahl auf die wattierte Jacke. Huub Stevens drehte sich um – und lächelte.

Bei Schneiders spritzigem Abgang stand es im Hinspiel des Uefa-Cup-Achtelfinales zwischen Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV noch 0:0, am Ende des Spiels aber war Stevens’ Milde der Wut gewichen. Knapp eine Viertelstunde vor Schluss beendete der Leverkusener Theofanis Gekas mit seinem Tor zum 1:0-Endstand eine elf Spiele währende Serie des HSV ohne Niederlage im Europapokal. Der Grieche stand nach einem Eckball ziemlich frei im Strafraum, weil sein Gegenspieler Paolo Guerrero den Deckungsauftrag sehr frei interpretiert hatte. Als Stevens den Peruaner kurz darauf vom Feld holte, verweigerte er ihm sogar den Handschlag und bedachte Guerrero noch mit einigen Worten. Was er denn gesagt habe, wurde der Holländer gefragt. „Ich habe ihm gesagt, dass ich sehr zufrieden mit der Situation war, in der das Tor fiel“, antwortete Stevens. Dieses demonstrative Scherzen aber passte nicht zu den Worten, die er für seine Elf übrig hatte. Von seinen Spielern könne er keinen einzigen hervorheben, „der die Leistung gebracht hat, die normal ist“, motzte Stevens. „Das war das Schlechteste, was ich gesehen habe.“

Verglichen mit den mürben Darbietungen vor der Pause nahm die Begegnung nach dem Wiederanpfiff eine anarchische Wendung. Es wurde ein offenes Spiel, weil die Hamburger sich – wider ihre Natur – auf dieses gefährliche Abenteuer einließen. Dass sie am Ende dafür bestraft wurden, war nur logisch; und dass es der Grieche Gekas war, der den entscheidenden Treffer setzte, eine nette Pointe. Zum ersten Mal seit drei Monaten stand der Stürmer wieder in der Startelf. Gekas taugt eben nur bedingt für das Leverkusener Kombinationsspiel; er braucht den Strafraum und die Nähe zum gegnerischen Tor, aber bis dahin kam seine Mannschaft nur selten. Nach der Pause war das anders. Schon vor seinem Tor hatte der Grieche drei gute Chancen.

Die knappe Niederlage glaubt der HSV im Rückspiel revidieren zu können. Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer drückte es so aus: „Jetzt ist klar, dass wir gewinnen müssen.“ Stefan Hermanns

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