Sprung an die Spitze verpasst : Leverkusen vergibt 3:0-Führung in Karlsruhe

Nach 24 Minuten hatte Leverkusen beim Karlsruher SC schon drei Tore erzielt - und musste am Ende beim 3:3 froh sein, nicht noch zu verlieren.

Oliver Trust[Karlsruhe]
Karlsruher SC - Bayer Leverkusen
Enttäuschte Leverkusener. René Adler, Stefan Kießling und Simon Rolfes (von links) können nicht fassen, dass sie den Sieg noch...Foto: dpa

Nach solchen Spielen hat man schon tobende Trainer und vor Wut schäumende Manager gesehen. Nach dem 3:3 (3:1) beim Karlsruher SC bot Bayer Leverkusen ein ganz anderes Bild. „Wir werden jetzt nicht auf die Mannschaft einprügeln, dazu hat sie zuletzt zu gut gespielt“, sagte Bruno Labbadia. Trotzdem sprach Leverkusens Trainer nach dem Remis nach einer 3:0-Führung von einer „gefühlten Niederlage“. Auch Bayers Sportdirektor Rudi Völler umspülte Verständnis und Milde: „Das kann auch eine gute Erfahrung sein.“ Ein hergeschenktes Spiel wird also als Gelegenheit zur Reife einer jungen Mannschaft gesehen. „Es ist uns heute zu leicht gemacht worden, aber das wirft uns nicht um“, sagte Völler.

Nur René Adler war anzusehen, dass er ziemlich sauer war. Als der Nationaltorwart aus dem Kabinengang in Richtung Mannschaftsbus schlenderte, sagte er nur einen knappen, trockenen Satz: „Ich habe heute keinen Bock.“ Während die Leverkusener zwischen verschiedenen Meinungen schwankten, konnten sich die Karlsruher ganz auf ihr Glücksgefühl konzentrieren. „Es hätte geheißen, die haben jetzt sechs Spiele in Folge verloren“, sagte KSC-Trainer Edmund Becker. „Das Spiel wird uns weiterbringen, aber wir dürfen die ersten 24 Minuten nicht unter den Teppich kehren.“

Nach diesen äußerst einseitigen 24 Minuten führte Bayer schon 3:0, der KSC zeigte sich den eigenen Fans wie ein Absteiger. Schon nach 32 Sekunden hatte Patrick Helmes das 1:0 erzielt, sein neuntes Saisontor. Zehn Minuten später gab Schiedsrichter Günter Perl Helmes’ zweiten Treffer wegen Abseits nicht – und lag daneben. Das 2:0 gelang Stefan Kießling nach einer Viertelstunde, der KSC ließ sich vorführen, Michal Kadlec verwandelte einen Freistoß zum 3:0. Bayer versäumte es in dieser Phase, seinen Vorsprung auszubauen.

Leverkusen verwaltete seinen klaren Vorsprung zu selbstgefällig und eröffnete dem praktisch geschlagenen KSC einige Freiräume. Dennoch bedurfte Antonio da Silva beim 1:3 der Mithilfe von Stefan Kießling, der seinen Freistoß unhaltbar für Adler abfälschte. Nach einer Stunde traf Tim Sebastian per Kopf zum 2:3, Leverkusen spürte nun zum ersten Mal wirkliche Gegenwehr, alle Leichtigkeit war aus dem Spiel von Bayer gewichen. Rund 15 Minuten vor dem Abpfiff flankte Stefano Celozzi auf Alexander Iaschwili, der keine Mühe hatte, zum umjubelten 3:3 einzuköpfen. „Das war schon Stress. Und du glaubst an einem bestimmten Punkt, das kriegen wir nie wieder hin“, sagte Edmund Becker. „In der Pause habe ich der Mannschaft gesagt, dass wir mehr an uns glauben sollen.“ Mit Erfolg.

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