Sport : Sprung an die Spitze

Pia-Luise Aufrecht ist das neue Gesicht im Zirkel der etablierten Springreiter beim CHI

Ingo Wolff

Berlin. Wenn Pia-Luise Aufrecht lacht, ziehen sich kleine Grübchen zwischen ihre Mundwinkel und Wangen. Das passiert oft, denn die 26-jährige Reiterin lacht gerne. Nur wenn sie sich auf eine große Prüfung mit ihren Pferden konzentriert, weicht das Lachen aus ihrem Gesicht. „Dann ziehe ich mich in eine Ecke zurück und möchte meine Ruhe haben.“ In der jüngeren Zeit musste sie sich häufig in die Ecke einer Reithalle verziehen, denn Pia-Luise Aufrecht ist bei den deutschen Springreitern die Aufsteigerin des Jahres. Die Amazone konnte bei etlichen Turnieren mit der Spitze mithalten und hat dabei selbst Topreiter wie Ludger Beerbaum und Otto Nagel zum Schwitzen gebracht.

Einen Bonus genießt sie als junge Frau unter den zumeist männlichen Kollegen nicht. Sie steht den Nachwuchsspringern Marcus Ehning und Toni Hassmann aber auch in nichts nach. „Junge Reiter haben es immer schwer, sich im Kreis der Etablierten zurechtzufinden“, sagt Aufrecht. Nachwuchsreiter kommen schwer hoch, weil Reiter lange im Geschäft bleiben. „Ich sehe das aber eher als Vorteil“, sagt die Schwäbin, „von den erfahrenen Reitern kann man sich heimlich kleine Tricks abschauen – mit den Augen stibitzen.“ Die jungen Reiter halten da eher zusammen. Mit ihrem derzeitigen Stallkollegen Hassmann ist sie gestern auch gemeinsam zum CHI nach Berlin gekommen, wo sie erneut mit der Weltklasse starten wird.

Seit Anfang des Jahres arbeitet sie mit Bundestrainer Kurt Gravemeier in Münster zusammen. „Ihm verdanke ich meinen Aufstieg.“ Ebenso stark hat Pia-Luise Aufrecht von ihrem Vater profitiert. Der Unternehmer war lange ihr größter Mäzen – in ihrer Heimatstadt Affalterbach hat ihr der Chef einer großen Autotuning-Firma eine eigene Reitanlage gebaut. „Ich habe mir aber früh einen eigenen Sponsor gesucht. Bei meinem Vater habe ich mehr von der Ahnung im Sport profitiert.“ Heinz-Werner Aufrecht hat die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft mitgegründet. Über ihn hat sie auch einen engen Draht zum Motorsport. „Michael Schumacher ist mein Vorbild, weil er sich so präzise vorbereitet.“ Wie im Motorsport ist auch beim Springreiten die Abstimmung mit dem Sportgerät wichtig.

Ihre beiden Toppferde sind der Hengst Ingmar und die Stute Eburovic. Einen Unterschied im Umgang mit den Geschlechtern kann sie nicht feststellen. „Ich würde mich aber eher mit den Stuten verbrüdern“, sagt Pia „Die sind etwas zickiger.“ Schon als kleines Kind hat sie auf Ponys gesessen, war ein richtiges Pferdemädchen. „Früher habe ich mir bei den Turnieren noch Autogramme von den großen Reitern geholt. Jetzt treffe ich sie im Parcours wieder.“

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