Sport : Sprung zurück

Die deutsche Mannschaft ist in Innsbruck so schlecht wie lange nicht – Hannawald wird Neunter, der Slowene Zonta gewinnt

Benedikt Voigt

Innsbruck. Auch nach vielen Jahren hat die Begeisterung für das Skispringen bei der Familie Hannawald noch nicht abgenommen. Auf der Bergisel-Schanze in Innsbruck klatschte Mutter Regina Hannawald ständig Beifall, und auch Vater Andreas Hannawald schwang unermüdlich seine hölzerne Ratsche. Er feuerte auf diese Weise nicht nur den eigenen Sohn an, sondern begleitete mit einem krachenden Geräusch jeden Springer bei seinem Flug durch die Luft. Sven Hannawald kennt eine Erklärung dafür. „Ein Arbeitskollege meines Vaters hat einmal gesagt, dass er das nur macht, weil er in seinem Alter nicht mehr genau sieht, wenn sein Sohn dran ist.“

Man kann für Andreas Hannawald nur hoffen, dass er mitbekommen hat, wie sein Sohn beim dritten Springen der Vierschanzentournee im ersten Durchgang bei 128 Metern landete. Das war nämlich wieder der Sven Hannawald aus den vergangenen Jahren. „Das Gefühl kommt langsam wieder“, sagte der 28-Jährige. Im zweiten Durchgang aber hatte es ihn schon wieder verlassen. Bei schlechten äußeren Bedingungen sprang Hannawald nur auf 117 Meter, und belegte Rang neun. Es war damit jedoch der beste aller deutschen Springer an diesem Tag. Vor 22 000 Zuschauern siegte überraschend der Slowene Peter Zonta, der vom kurzzeitigen Aufwind im zweiten Durchgang profitierte und von Rang acht ganz nach vorne segelte. „Davon habe ich schon geträumt, als ich sechs Jahre alt war“, sagte der 24-Jährige. Eine ähnliche Leistung gelang dem Finnen Veli-Matti Lindstroem, der von Rang elf auf Platz zwei nach vorne flog.

Zunächst hatten die österreichischen Zuschauer auf ihren Landsmann Martin Höllwarth gesetzt, der nach dem ersten Durchgang führte. Es war die große Chance für den sympathischen Österreicher, endlich seinen ersten Sieg bei der Tournee einzufahren und gleichzeitig im Gesamtklassement einige Punkte auf den Führenden Sigurd Pettersen gutzumachen. Doch in einem kuriosen zweiten Durchgang kam es ganz anders. Die Jury hatte den Anlauf verkürzt, gleichzeitig schwächte der Wind vollkommen ab. Fortan sprangen die Führenden bei Windstille nicht mehr so weit wie zuvor. Höllwarth fiel noch auf Rang fünf zurück und verlor im Gesamtklassement noch einen Zehntelpunkt auf Sigurd Pettersen. „Der Druck, der auf ihm lastet, ist sehr groß“, sagte der österreichische Sportdirektor Toni Innauer.

Der deutsche Bundestrainer Wolfgang Steiert mäkelte öffentlich an der Maßnahme der Jury herum, vor dem zweiten Durchgang beim Anlauf eine Luke herunterzugehen. „Da haben sich wohl die Finnen beschwert“, sagte Steiert. Seinen Springern bekamen die neuen Bedingungen nicht, Georg Späth, Michael Uhrmann und Maximilian Mechler fielen auf die Plätze zehn, elf und dreizehn zurück. Im deutschen Team hat sich damit wieder die alte Hierarchie eingestellt. Sven Hannawald führt die deutsche Mannschaft wieder an.

Späth und Uhrmann konnten mit dem ungewohnten Druck, die besten deutschen Springer zu sein, diesmal nicht umgehen. „Ich bin etwas enttäuscht“, sagte Georg Späth, „meine Sprünge haben eigentlich ganz gut ausgesehen.“ Im zweiten Durchgang sprang er etwas zu spät ab, doch eigentlich kann er sich den Rückstand nicht richtig erklären. Als Fünfter im Gesamtklassement ist er immer noch der am besten platzierte Deutsche. Michael Uhrmann fiel auf Rang acht zurück.

Das Schlusswort beim Innsbrucker Springen erhielt der Finne Janne Ahonen. Der Sieger des Vorjahres, der bekannt ist für seine Wortkargheit, liegt vor dem letzten Springen am Dienstag in Bischofshofen im Gesamtklassement auf dem sechsten Platz. Ob er noch Chancen sehe, seinen Titel zu verteidigen, wurde der Finne bei der Siegerpressekonferenz gefragt. Ahonen antwortete trocken: „Nein.“

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