Sport : Spur der Rekorde

Die Olympiadritte Deena Kastor ist Favoritin beim Berliner Halbmarathon und strebt nach Bestzeiten

Jörg Wenig

Berlin - Wenn der olympische Marathon im brütend heißen Athen vor eineinhalb Jahren drei Kilometer länger gewesen wäre, die Goldmedaillengewinnerin hätte wahrscheinlich nicht Mizuki Noguchi geheißen. Denn eine andere Läuferin hatte sich die Kräfte bei Temperaturen von rund 35 Grad im Schatten hervorragend eingeteilt: Deena Kastor war im letzten Abschnitt des Rennens die mit Abstand Schnellste im Feld. Die US-Amerikanerin begann in der zweiten Hälfte, das Feld von hinten aufzurollen, und lief von Rang zwölf noch zur Bronzemedaille.

Olympiasiegerin wurde sie nicht, doch in den USA ist Deena Kastor spätestens seit jenem 22. August 2004 der Star des Frauen-Laufsports. Heute wird die 33-Jährige als Favoritin beim Berliner Halbmarathon an den Start gehen. Trotz starker Konkurrenz durch die dreimalige Crosslauf-Weltmeisterin Edith Masai aus Kenia und die Vorjahressiegerin Luminita Zaituc von der LG Braunschweig wäre alles andere als ein Sieg der Läuferin aus Kalifornien eine Überraschung.

Der Halbmarathon wird für Deena Kastor ein letzter Test sein für den London-Marathon in drei Wochen. Das heißt aber nicht, dass sie heute zurückhaltend laufen wird – im Gegenteil. „Ich werde aggressiv in das Rennen gehen und möchte meine Bestzeit steigern“, sagt die zierliche Läuferin. Das Ziel ist neben dem Sieg zumindest ihr eigener US-Rekord über die 21,0975 Kilometer lange Strecke. Der steht seit dem vergangenen Jahr bei 67:53 Minuten. Ein Ergebnis um 67 Minuten traut sie sich zu, womit sie nur noch einige Sekunden vom Weltrekord entfernt wäre.

Diesen hält seit 1999 die Südafrikanerin Elana Meyer, die in Tokio 66:44 Minuten gelaufen war. „Ich denke nicht an den Weltrekord. Damit habe ich schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Bei einem 8-Kilometer-Rennen im vergangenen Jahr rief mein Mann plötzlich, dass ich auf Weltrekordkurs sei. Das hat mich eher irritiert, weil das Tempo nicht geplant war. Und dann habe ich den Rekord verpasst“, erzählt Kastor.

Allerdings hat sie sich ganz bewusst den Berliner Halbmarathon als LondonGeneralprobe ausgesucht: „Dieses Rennen hat einen sehr guten Ruf, und ich kenne die schnelle Strecke.“ Aber es gab auch noch einen anderen Grund, nach Berlin zu kommen. Seit der Berlin-Marathon mit Boston, London, New York und Chicago die Gruppe der World Marathon Majors formt, ist er für die Amerikanerin noch interessanter geworden. „Ich wollte mir schon einmal einen Teil der Strecke ansehen und das ganze Drumherum kennen lernen“, sagt Kastor. Ein Teil der heutigen Strecke ist identisch mit dem Kurs des Berlin-Marathons, der am 24. September stattfinden wird. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch beim Berlin-Marathon zu starten. Ob dies schon in diesem Herbst passiert, kann ich aber jetzt noch nicht sagen“, sagt Kastor, die in den USA zur Nachfolgerin der legendären Joan Benoit-Samuelson wurde. Benoit hatte 1984 den ersten olympischen Frauen-Marathon in Los Angeles gewonnen. 18 Jahre hielt ihr US-Marathonrekord von 2:21:21 Stunden. Deena Kastor hat ihn vor drei Jahren in London um fünf Sekunden verbessert.

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