Sport : Spuren einer Serie

Seit sechs Spielen haben die Eisbären in 60 Minuten nicht mehr gewinnen können

Claus Vetter

Berlin. Der ältere Herr wollte Peter John Lee nicht mehr gehen lassen. „Unglaubliches Eishockey“, sah der Zuschauer am Freitag beim Spiel der Kölner Haie gegen die Eisbären. In der ersten Drittelpause hatte der Fan den Eisbären-Manager und einstigen Star der Düsseldorfer EG auf einem Gang der Kölnarena geortet und aufgeregt beplaudert. „Das macht doch Spaß, bei so einem Spiel zuzuschauen, sag doch mal Peter.“ Lee sagte etwas, aber nicht viel: „Sie haben nur ein paar gute Minuten von den Eisbären gesehen, mehr nicht.“ Und auf dem Gang zu seinem Tribünenplatz rief Lee dem Herrn noch zu: „Normalerweise spielen wir 60 Minuten lang gut.“

Zu diesem Zeitpunkt waren erst zwei Drittel gespielt, die Berliner führten glücklich mit 3:2. Lee ahnte, was kommen würde. Kurz vor Ende verspielten die Eisbären eine Führung und verloren mit 4:5 nach Penaltyschießen. Für die Berliner war es der unschöne Höhepunkt einer unerwarteten Serie: Seit sechs Spielen haben sie in 60 Minuten nicht mehr gewonnen, dabei nur sieben Punkte geholt und 22 Gegentore kassiert.

Es ist ein Dilemma, das nur von der momentan ebenso unbeholfenen Konkurrenz an der Spitze der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kaschiert wird. So konnten die Eisbären mit dem Punkt von Köln ihren Vorsprung als Tabellenführer sogar ausbauen, da Mannheim in Hamburg verlor. Trotzdem, die eigene Misere hinterlässt bei den Berlinern Spuren. Vorbei sind die Zeiten, in denen euphorisch über neue Taktiken geplaudert wurde, sich im Sportforum jeder von Pierre Pagé das von ihm bei den Eisbären eingeführte „Torpedo-System“ – eine offensive Spielweise, die in Schweden schon lange praktiziert wird – erklären lassen wollte. Der Trainer pocht plötzlich darauf, „dass niemand behauptet hat, dass die Eisbären als Tabellenerster in die Play-offs gehen wollen“. Natürlich nicht, denn, so sagt Pagé: „Wir wollen Meister werden.“ Ein Wunsch, der angesichts der jüngsten Vorstellungen der Eisbären nicht an Realitätsnähe gewinnt.

„Hoffentlich haben wir genug Spieler, die den Titel holen wollen“, sagt Lee. „Trotzdem, Einzelkritik verbietet sich.“ Auch wenn Richard Shulmistra so dilettiert wie in Köln, wo der Eisbären-Torhüter zwei vermeidbar erscheinende Treffer kassierte? „Wenn wir zu viele Tore kassieren, ist das gesamte Team schuld“, sagt Pagé. „Positiv bleiben“, findet Kapitän John Gruden. „Wir dürfen nach Siegen nicht zu euphorisch, nach Niederlagen nicht zu kritisch werden.“ Nach dem Spiel am Sonntag gegen die Kassel Huskies (14 Uhr 30, Sportforum, live auf Premiere) haben die Eisbären Zeit, ihr munteres Mittelmaß zu analysieren. Bis zum 11. Februar pausiert die DEL wegen einiger Spiele der Nationalmannschaft.

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