Sport : St. Pauli des Westens

Wie Uerdingens Fans ihren Verein retten wollen

Stefan Hermanns

Berlin - So gut gelaunt ist Aleksander Ristic noch nie entlassen worden. „Ich bedanke mich bei Edmund“, sagte der Trainer des Oberligisten KFC Uerdingen zu seinem Nachfolger, der schon heute wieder sein Vorgänger sein wird. Edmund Mastiaux aus Bonn, 47 Jahre alt, Besitzer der Trainer-B-Lizenz, hat sich seinen Einstieg in die große Welt des Fußballs einiges kosten lassen. Für 4110 Euro hat er den Platz auf der Trainerbank des KFC ersteigert. Gestern, im Testspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen, durfte er die Uerdinger als Cheftrainer betreuen.

Mastiaux ist als Kind häufiger bei Verwandten in Krefeld gewesen und Fan des Vereins geworden. Er war sogar Balljunge in der Grotenburg, und Ristic meinte sich an eine frühe Begegnung zu erinnern. Bei einem Spiel mit Eintracht Braunschweig habe ihm Mastiaux den Ball zu langsam zugeworfen und sich dafür einen Rüffel eingefangen. Eine späte Form der Rache also? Egal. Die Uerdinger sind klamm und brauchen das Geld.

Bis zum Ende der Saison benötigt der KFC 350 000 Euro, um seinen Etat zu decken, 150 000 davon muss er bis Mittwoch auftreiben. Andernfalls wird die Insolvenz vollstreckt und der Klub aus dem Vereinsregister gestrichen. „Die Hoffnung, dass wir es schaffen, ist sicherlich groß“, sagt der neue Vereinsvorsitzende Olaf Stiller. Das drohende Ende des Klubs, der 1985 als Bayer 05 Uerdingen den DFB-Pokal gewonnen hat, hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. „Die Fans des KFC Uerdingen geben sich noch nicht geschlagen“, heißt es in einer Erklärung der Initiative „Krefeld wählt. Rettet euren Fußball“.

Der Kurzzeittrainer Mastiaux spricht von der „größten demokratischen Bewegung am Niederrhein“, und Stephan Hoffmann, der Sprecher der Initiative, träumt davon, den KFC zum „St. Pauli des Westens“ zu machen. Auch in Hamburg haben die Fans den Untergang ihres Vereins verhindert. Doch St. Pauli ist ein nationaler Kultklub, der KFC Uerdingen hingegen hatte schon zu Bundesligazeiten – auch wegen seiner Vergangenheit als Bayer-Werksklub – ein eher graumäusiges Image. Trotzdem sagt Hoffmann: „Im Grunde hat dieser Verein viel mehr Potenzial, als man ihm angedichtet hat.“

Es gibt ein Gerücht, dass Pete Doherty, Rockstar, Ex-Freund von Kate Moss und Lieblingssujet der Klatschpresse, am Dienstag zum Spiel des KFC gegen den MSV Duisburg käme. Doherty, der am selben Abend mit seiner Band Babyshambles ein Konzert in Köln gibt, hat einen Teil seiner Kindheit in Krefeld verbracht. Sein Vater war dort als Major der britischen Armee stationiert. Nachdem er sich vor kurzem in einem Interview als KFC-Fan geoutet hat, nahm „Krefeld wählt“ Kontakt zu seinem Manager auf. „Wir sind an ihm dran“, sagt Hoffmann. Dohertys Manager Adrian Hunter verkündete: „Ich weiß, dass Pete eine herzliche Beziehung zu dem Klub hat und er dem Verein irgendwie helfen will.“

So viel Aufbruch war lange nicht in Krefeld. Gegen Duisburg sollen 10 000 Zuschauer kommen. Im März spielt Eintracht Frankfurt in der Grotenburg und stellt alle Einnahmen dem KFC zur Verfügung. Die Initiative „Traditionsretter“ will insgesamt 100 000 Euro sammeln, und „Krefeld wählt“ hat eine Spendenhotline für den Klub eingerichtet: Jeder Anruf bringt fünf Euro.

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