Sport : St. Pauli - Dortmund: Der zweite Mittelstufenschüler

Joachim Frisch

Schnitzel wird Thomas Rosicky wegen seiner schmächtigen Figur von der Boulevardpresse gerufen. Beim Warmlaufen wirkt er zwischen den durchtrainierten Profis der Dortmunder Borussia wie ein dürrer Mittelstufenschüler. Am Samstag am Hamburger Millerntor war Rosicky zum erstem Mal seit seinem Engagement bei den Dortmundern nicht der Schmächtigste. Neben Rosicky huschte eine noch dünnere Gestalt über den Rasen. Er heißt Ewerthon Henrique de Souza, und der Boulevard nennt ihn bereits liebevoll "Samba-Floh".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Angesichts der Fußballkünste der beiden Hänflinge in der ersten Halbzeit blieb den Gegenspielern nur stummes Staunen. Mit einem Tor im Stile eines genialen und respektlosen Straßenfußballers und einem präzisen Flankenball auf Jan Koller, den der nur noch einnicken musste, entschied Ewerthon das Spiel fast allein. Damit hat der 1,72 Meter kleine und 63 Kilogramm leichte Brasilianer seinen neuen Kollegen beim 2:1 gegen St. Pauli nach sieben sieglosen Pflichtspielen endlich wieder zu einem Erfolgserlebnis verholfen.

Weil die Konkurrenz nicht schläft - Juventus Turin und Betis Sevilla waren ebenfalls interessiert -, hat Borussia Ewerthon in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von den Corinthians aus Sao Paulo losgeeist. Für die hatte er 21 Tore in 73 Spielen erzielt. Zunächst hat Dortmund 7,3 Millionen Mark nach Sao Paulo überwiesen, im Juli 2003 kann der Klub Ewerthon gegen Zahlung einer ähnlich hohen Summe endgültig bis 2006 in Besitz nehmen. Der Kauf war allerdings nicht ohne unternehmerisches Risiko. Ewerthon hat noch nicht in Europa gespielt, und sein neuer Trainer Matthias Sammer, der das "frühreife Sturmtalent" (Brasiliens früherer Nationaltrainer Luxemburgo) noch vor einer Woche nur vom Video kannte, sagt selbst: "Klasse muss sich auf lange Sicht beweisen."

Vom ersten Auftritt Ewerthons war Sammer dann allerdings beeindruckt. Immerhin war der Neuzugang gerade mal fünf Tage bei der Mannschaft, inklusive der unerfreulichen Reise zur Champions-League-Partie nach Porto. Das Zusammenspiel mit den neuen Kollegen konnte er also noch nicht üben. Doch schon mit seinem ersten Auftritt für die Borussia hat Ewerthon das Risiko enorm reduziert.

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