St. Pauli gegen Rostock : Blockaden, Proteste und Ärger

Der FC St. Pauli schlägt Hansa Rostock im Zweitliga-Spiel 2:0. Doch das große Thema war die Angst vor Randale zwischen den verfeindeten Fans - und eine gemeinsame Sorge.

Kerstin Hebeler

Hamburg - Sonntagvormittag, vor der Südtribüne des Millerntor-Stadions. Auf den ersten Blick ist es ein gewöhnliches Heimspiel des FC St. Pauli. Kurz vor dem Anpfiff herrscht dichtes Gedränge, die Menschen stehen in Grüppchen zusammen. Bierwagen sind aufgebaut, auf einem Schild steht: „3 Astra-Bier für 5 Euro.“ Dass jedoch einiges anders ist, zeigt sich schnell. „Alle zusammen für Fanrechte“, haben St.-Pauli-Fans auf ein Banner geschrieben. Das Zweitliga-Spiel gegen Hansa Rostock, das St. Pauli nach einer über weite Strecken niveauarmen Partie 2:0 gewann, stand wieder einmal unter besonderen Vorzeichen.

Nach schweren Ausschreitungen im Hinspiel in Rostock sowie beim Gastauftritt des FC Hansa vor einem Jahr am Millerntor hatte die Hamburger Polizei verfügt, aus Sicherheitsgründen lediglich 500 personalisierte Sitzplatzkarten in Rostock zu verkaufen. Hansa gab aus Protest das gesamte Kontingent zurück. Lediglich sieben Abgesandte demonstrierten am Sonntag im leeren Gästeblock für den Erhalt der Rostocker Fanrechte. Sie hingen Plakate auf wie „Hier stirbt der Fußball“. Kurz nach Anpfiff verließen sie den Block. Die Restriktionen gegen Rostock riefen auch St.-Pauli-Anhänger auf den Plan. So blockierten einige der „Ultras St. Pauli“ zum Ärger anderer Pauli-Fans die Zugänge zur Südtribüne. Erst fünf Minuten nach Spielbeginn sollten, so der Aufruf, die Plätze eingenommen werden. Nicht, wie auf Flyern vermerkt, aus Solidarität gegenüber den Hansa Rostock-Anhängern, sondern als Ausdruck der Sorge, dass auch sie und andere Fan-Gruppierungen derartige Sanktionen treffen könnten.

Fans von Rostock sah man vor Spielbeginn im Umfeld des Stadions nicht. Doch kurz nach Abpfiff steckten zwei Ordner die Köpfe zusammen. „Vor dem Stadion haben sich Rostocker Fans und Fans des Hamburger SV zusammengetan“, sagte der eine. „Hoffentlich bleibt es ruhig.“ Darauf der andere: „Das könnte wieder eine lange Nacht werden.“ Kerstin Hebeler

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