Sport : St. Pauli - Rostock: Viel Rauch, wenig Klasse

Stefan Reinecke

Es nieselt. Ein leichter Wind weht, Hamburger Wetter halt. Eigentlich gut für den FC St. Pauli: ein rutschiger Boden, nichts für Techniker, eher für Kämpfer. "Wir spielen traditionell in braun-weiss. Zumindest hören wir immer so auf." So lautet die Werbung von St. Pauli. Dazu schaut ein Mann mit Dreck beschmiertem Anlitz und weißem Trikot irgendwie neoexistenialistisch drein. Aber Kampf und lustige Sprüche allein reichen nicht in der Bundesliga. Das weiß St. Paulis Trainer Dietmar Demuth spätestens seit gestern 19 Uhr 20, als die 0:1 (0:1)-Heimniederlage gegen Hansa Rostock feststand.

Vor der Pause passierte nicht viel. St. Pauli offenbarte seine größte Schwäche, nämlich den Ball halbwegs kontrolliert aus der Abwehr ins Mittelfeld zu befördern. Das sollten Inceman und Meggle tun, aber die so genannten Kreativen waren indisponiert und wurden ausgewechselt. In den 20. Minute knallte Rath einen Freistoß aus gut 20 Metern in die Mauer, von dort flog er gegen das Lattenkreuz. Pech. Aber ein Tor für Pauli wäre auch blanker Hohn gewesen.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Hansa Rostock war besser, schon weil die Elf in der Lage war, den Ball von hinten nach vorne zu bringen. Die Hansa-Fans zündeten währenddessen eine Rauchbombe nach der anderen, was einerseits moralisch abzulehnen ist, andererseits nicht so schlimm war, weil auf dem Platz sowieso nichts Sehenswertes geschah. Die Pauli-Fans antworteten mit "Nazis-raus"-Sprechchören.

Unterhaltsameres geschah nach einer halben Stunde auf dem Platz: Nach einer feinen Kombination plus Flanke stand Markus Beierle, von Hansa-Coach Friedhelm Funkel erstmals aufgestellt, richtig und köpfte unhaltbar für Torwart Bulat in den Winkel.

Das Ergebnis ging in Ordnung, Rostock war schneller am Ball, kombinierte, wo die Hamburger ratlos waren, und im Mittelfeld tat Maul, was Meggle auf der Gegenseite vergeblich versuchte: das Spiel organisieren.

Nach der Pause war alles anders. Der Nieselregen wurde schwächer, St. Pauli stärker. Das verdankte die Mannschaft nicht zuletzt auch den Einwechselungen von Baris, der Druck über die rechte Seite machte, und von Konetzke, der in der 75. Minute den Pfosten traf. Rostock tat hingegen gar nichts mehr, außer verteidigen. So versammelten sich in den letzten zehn Minuten an die 20 Spieler im Rostocker Strafraum. Alle 45 Sekunden tauchte ein St.Pauli-Stürmer, meistens war es Cenci, mehr oder weniger frei vor Torwart Schober auf, um von dort in den ganz freien Raum zu passen. So vergab Pauli, drei, vier, fünf Chancen.

Rostock freute sich über drei glückliche Auswärtspunkte, St. Pauli spielt seit gestern ganz ernsthaft gegen den Abstieg. Dass die Hamburger gegen gute Mannschaften unentschieden spielen können, haben sie gegen Hertha BSC bewiesen. Eigentlich, dachte man in Hamburg, ist die Drei-Punkte-Regel der härteste Gegner. Seit gestern weiß man, dass das nicht stimmt: Mannschaften wie Rostock sind die furchtbarsten Klippen auf dem Weg zum Klassenerhalt, Mannschaften, die ähnlich robust wie St. Pauli ans Werk gehen. Wann will Demuth gewinnen, wenn nicht zu Hause gegen Stuttgart, Cottbus oder Rostock? Die unverwüstlichen Fans von St. Pauli wissen es: Auswärts. Am nächsten Samstag zum Beispiel. Gegen Bayern München. In München.

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