St. Pauli steigt ab : Ein doppelter Abschied

Der Trainer verabschiedet sich, die Mannschaft auch: St. Pauli geht im letzten Heimspiel von Trainer Holger Stanislawski mit 1:8 gegen den FC Bayern baden und steigt in die Zweite Liga ab.

Frank Heike

Es war ein trauriger Tag für Holger Stanislawski. Nach 18 Jahren in verschiedenen Rollen beim FC St. Pauli verabschiedete sich Stanislawski am Samstag vom geliebten Millerntor. Die Fans der Hamburger schwenkten Transparente mit der Aufschrift „In Hamburg sagt man tschüss, das heißt auf Wiederseh’n“, als der Trainer vor dem Anpfiff ins Publikum winkte. St. Pauli hatte eine große Millerntor-Abschiedsparty für Stanislawski feiern wollen, der Richtung Hoffenheim zieht. Alles war bereitet, von der tränenreichen Abschiedsrede vor dem Spiel bis zur großen Ehrenrunde. Doch die böse Klatsche gegen einen übermächtigen Gegner verdarb die Party beim Aufsteiger, der nach nur einem Jahr und zuletzt unterirdischen Leistungen wieder zurück in die Zweite Liga muss. Die heftige 1:8 (0:2)-Niederlage gegen den FC Bayern besiegelte einen Spieltag vor Saisonende den Abstieg der Hamburger. Stanislawski sagte nur: „Das war peinlich. So kann man nicht spielen.“ Seine Profis schlichen wortlos in die Kabine. Einen solchen Ausstand hatte ihr Chef gewiss nicht verdient. Die Bayern hingegen haben nun den dritten Rang und damit die Champions-League-Qualifikation sicher, sie können sogar noch Zweiter werden.

Bereits nach zehn Minuten leitete St. Paulis Verteidiger Markus Thorandt die Führung der Gäste ein, indem er den Ball mit der Brust zurück zu Torwart Thomas Kessler zu leiten versuchte. Timing und Wucht seiner Aktion stimmten allerdings überhaupt nicht, Mario Gomez bewies seinen Stürmerinstinkt, ersprintete die lasche Rückgabe und traf ohne Probleme zum 1:0. Auch beim zweiten Tor des FC Bayern machte Thorandt eine äußerst unglückliche Figur. Arjen Robben zirkelte einen Eckball an die Ecke des Fünfmeterraums auf Daniel van Buyten, dessen Bewacher Thorandt aber war es, der dem Ball die entscheidende Richtungsänderung verpasste und ihn zum 0:2 ins eigene Tor lenkte.

Nach dem Seitenwechsel gelang es Stanislawskis Spielern noch weniger, ihrem scheidenden Chef den Abschied etwas erträglicher zu machen. Thorandt war es wenigstens vergönnt, in der Kabine zu bleiben, für ihn kam Florian Bruns. 51 Minuten waren gespielt, als Robben einen Steilpass auf Gomez spielte. Der Nationalstürmer schob den Ball durch die Beine von Kessler zum 3:0 ins Netz. In der Folge kombinierten sich die Bayern immer wieder ungestört in den Strafraum der Gastgeber, Robben traf zum 4:0, Franck Ribéry erhöhte auf 5:0. Marcel Eger gelang per Kopf das 1:5 und damit das einzige Erfolgserlebnis der Hamburger. Stanislawski freute sich aber kaum, zumal Robben, Gomez und Franck Ribéry noch trafen. Für Gomez war es der 27. Saisontreffer.

Der Abstieg bedeutet für den FC St. Pauli auch einen personellen Umbruch. André Schubert wird Stanislawski als Trainer folgen, das ist inzwischen klar. Angestrebt wird der sofortige Wiederaufstieg. Doch mit welcher Mannschaft? St. Pauli hat viele Leihspieler im Kader, einige von ihnen wie Torwart Thomas Kessler und Verteidiger Bastian Oczipka gehen zu ihren Stammvereinen zurück, Köln und Leverkusen. Fraglich, ob Matthias Lehmann, Gerald Asamoah und Charles Takyi bei St. Pauli bleiben. Mittelfeldspieler Max Kruse will in der Bundesliga spielen. Bei stark verringertem Etat wird Manager Helmut Schulte viel Fantasie brauchen, um eine gute, neue Mannschaft zusammenzustellen, wenn es demnächst gegen Ingolstadt und Paderborn geht.

Holger Stanislawski soll zusammen mit seinem treuen Assistenten André Trulsen beim neuen Arbeitgeber in Hoffenheim beweisen, dass er mehr ist als ein „ewiger Hamburger.“ In St. Pauli wird man ihn sicherlich in guter Erinnerung behalten, auch wenn er den Abstieg seiner Mannschaft in dieser Saison nicht verhindern konnte.

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