Sport : Staatlich gefördert

Athens Ex-Regierung soll Doping finanziert haben

Gerd Höhler

Athen - Die Affäre um die unter Dopingverdacht stehenden griechischen Sprinter Ekaterini Thanou und Konstantinos Kenteris sowie ihren Trainer Christos Tsekos zieht immer weitere Kreise. Die frühere sozialistische Regierung soll die Machenschaften des Coaches, in dessen Firmen große Mengen Doping-Präparate gefunden wurden, mit mehreren hunderttausend Euro subventioniert haben.

Am Mittwoch durchsuchten Beamte der Finanzpolizei die Büros der „Chris Tsekos Group“. Zuvor hatten die Fahnder der Arzneimittelbehörde in den Lagerräumen der Tsekos-Firmengruppe mehr als 1400 Packungen illegaler leistungssteigernder Präparate sichergestellt. Wie der griechische Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos berichtete, hat die im März abgelöste sozialistische Regierung eine Anzahl von Firmen, darunter auch die des Trainers Tsekos, mit Steuergeldern von rund 1,5 Millionen Euro finanziert. Roussopoulos bezeichnete diese Zahlungen als rechtswidrig. Der frühere sozialistische Sportminister Jorgos Lianis bestätigte, dass Tsekos über einen Sportverband für die Betreuung von Sportlern 2003 rund 181 952 Euro an staatlicher Unterstützung erhalten habe. Die Zahlungen seien aber im Rahmen der Gesetze erfolgt.

Griechische Medien hatten vor einigen Tagen berichtet, Tsekos habe vor zwei Jahren der sozialistischen Regierung vorgeschlagen, 150 griechische Athleten mit Substanzen, die bei Doping-Kontrollen nicht entdeckt werden könnten, auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Ex-Sportminister Lianis bestätigte den Vorgang, erklärte aber, er habe den Vorschlag abgelehnt. In die Affäre soll auch der Trainer der Gewichthebermannschaft, Christos Jakovou, verwickelt sein. Einer seiner Schützlinge, Leonidas Sabanis, musste nach positiver Dopingprobe die Bronzemedaille zurückgeben.

In die Ermittlungen im Fall Tsekos hat sich auch die US-Justiz eingeschaltet. Drei aus den USA angereiste Staatsanwälte gehen nun Verbindungen griechischer Trainer zum US-Dopinglabor Balco nach. Die Griechen bleiben ihren gestrauchelten Sprintidolen aber treu. Am Mittwochabend hallten im Olympiastadion bei den Halbfinals über 200 Meter minutenlang „Kenteris, Kenteris“- Rufe durch die Arena.

Seite 2

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben