Sport : Staatsanwalt: "Einer der schwersten Doping-Fälle"

Frank Bachner

Über die Zukunft von Jochen Neubauer als Sportarzt des Fußball-Zweitligisten Tennis Borussia wird nächste Woche defintiv entschieden. Das erklärte TeBe-Vorstandsmitglied Kuno Konrad gestern. "Wir werden am Montag am Rande des Heimspiels gegen den VfL Bochum über diesen Fall reden", meinte der TeBe-Funktionär. Ob an diesem Tag auch schon eine Entscheidung fällt, ist noch nicht ganz klar. Erwin Zacharias, der Vorstandsvorsitzende von TeBe, wird sich heute mit Neubauer zu einem Gespräch zusammen setzen. "Parallel dazu" werde er auch mit Manfred von Richthofen, dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB) und einem Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes reden, erklärte Zacharias. Von Richthofen hatte von TeBe die Trennung von dem früheren DDR-Sportarzt Neubauer verlangt, der wegen Körperverletzung an Minderjährigen während seiner Zeit als Sektionsarzt beim ASK Potsdam zu einer Geldstrafe von 9000 Mark verurteilt wurde. Gegen Neubauer erging im Februar vom Amtsgericht Potsdam ein Strafbefehl, den er akzeptierte. Der 48-Jährige, der seit November 1998 für TeBe arbeitet, hatte an Jugendliche Dopingmittel übergeben lassen. Außerdem arbeitete er unter dem Decknamen "Till Kramer" für die Stasi.

Obwohl die TeBe-Führung bei Neubauers Engagement nach Informationen des Tagesspiegel überein gekommen war, sich von dem Arzt zu trennen, sollte ein rechtskräftiges Urteil erfolgt sein, hält TeBe noch an Neubauer fest. Der Teamarzt bestreitet nach Angaben von Zacharias gegenüber TeBe immer noch, dass er in die Dopingkonzeption des DDR-Sports eingebunden war. Gegenüber der Staatsanwaltschaft allerdings hat er gestanden. Das erklärte der Pressesprecher des Amtsgerichts Potsdam. Leugnen hätte auch wenig Sinn gemacht. "Einen Strafbefehl akzeptiert ein Beschuldigter in aller Regel, wenn die Beweislast so erdrückend ist, dass er in einem öffentlichen Prozess keine Chance sieht", erklärte Gerd Schnittcher, der Leitende Staatsanwalt am Landgericht Neuruppin, dessen Behörde gegen Neubauer ermittelt hatte. "In all den Doping-Fällen, in denen wir ermittelt haben, gehört Neubauer zu den ganz wenigen Fällen, bei dem sich eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße verbot. Sein Fall gehört zu den schwersten im Land Brandenburg", meinte Schnittcher weiter.

Neubauer ist nun wegen Körperverletzung vorbestraft. Ein rechtskräftiger Strafbefehl ist einem rechtskräftigen Urteil gleich gestellt.

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