Stadion-Song : Herthas Fanhymne: Melodie für den Meister

Die Fans von Hertha haben ein Hip-Hop-Lied umgedichtet. Die Melodie stammt von zwei Tempelhofern, die von ihrem Ruhm nichts wussten.

 André Görke
Hertha-Atzen Foto: Uwe Steinert
Tempelhofer Typen. Vincenco de Marcos (l.) und Marc Schneider schufen eine Hertha-Hymne. -Foto: Uwe Steinert

Am Wochenende saß Vincenco de Marcos, 30, auf seiner Couch in Tempelhof. Der Fernseher war eingeschaltet, die „Sportschau“ lief in der ARD. „Ich hab’ so rumgezappt“, sagt de Marcos. Als dann das Spiel von Hertha BSC gezeigt wurde und somit der Jubel über die Tabellenführung, all die Fans, die fröhlich ausflippten, da ist Vincenco de Marco fast vom Sofa geplumpst. „Da sang das Stadion unsere Melodie, unser Lied.“

Aus ihrem Lied "Hey, das geht ab - wir feiern die ganze Nacht" ...

Vincenco de Marcos ist eigentlich Rapper, er nennt sich „Frauenarzt“ und tritt mit seinem Kumpel Marc Schneider, 28, unter dem Namen „Atzen-DJs“ auf. Sie mischen Elektrobeats mit Sprechgesang und haben mal ein Lied veröffentlicht, in dem es heißt: „Hey, das geht ab – wir feiern die ganze Nacht!“. Bei Konzerten hüpft der ganze Saal mit – und irgendwann schaffte es das Lied auch auf eine CD der Fanszene von Hertha BSC, die im Bus zu Auswärtsspielen abgespielt wurde. Und was Fans halt gerne machen: Sie nehmen Melodien und dichten die Texte um. So wurde aus der Zeile eine echte Tanzmelodie im Stadion von Hertha BSC: „Hey, das geht ab – wir holen die Meisterschaft!“

... wurde die kesse Zeile: "Wir holen die Meisterschaft!"

Am Wochenende hat nun auch erstmals die Mannschaft das Lied im Olympiastadion mitgesungen, tanzend stand sie auf der blauen Tartanbahn, Arm in Arm. „Dabei sind wir gar keine echten Fans von Hertha, also nicht so krass wie die in der Kurve“, sagen die beiden Elektro-Rapper beim Stück Kuchen in ihrem Lieblingsfamiliencafé am U-Bahnhof Kaiserin-Augusta-Straße. Das ist ihr Kiez, hier sind sie auf die Hermann-Köhl-Oberschule gegangen. „Ich muss jetzt mal wieder ins Stadion“, sagt de Marcos, „das mit unserem Lied – das ist einfach nur scharf.“

Natürlich, auch sie hatten schon Stress wegen ihrer sexistischen Texte, es wurden sogar Alben indiziert, auch die SPD- Politikern Monika Griefahn – Sprecherin der Arbeitsgruppe Kultur und Medien – hat sie scharf kritisiert. Wie so viele, ja: eigentlich alle Rapper. Aber dieser Stil sei nun vorbei, sagen sie, „über Ghetto-Rap regt sich doch keiner mehr auf, oder?“. Von „pubertärer Energie“ spricht de Marcos und von „platter Fäkalsprache“, die er mit 20 lustig fand und mit der man die Älteren, das Bürgertum „so schön provozieren konnte“. Heute sei er 30 Jahre alt, er mag eher trockenen Humor und überhaupt: Es soll doch bitte keiner die Rapperszene so ernst nehmen, „das machen wir doch auch nicht“: Als sie vor einigen Wochen im Columbiaclub am Flughafen Tempelhof auftraten, warfen sie 30 Kilo Konfetti durch die Luft, verteilten 500 bunte Silvester-Partypapphütchen und pusteten vergnügt in Tröten hinein. „Manny Marc“ ist übrigens gelernter Hotelfachmann. So viel zur knallharten Ghetto-Gangster-Schublade.

Ihre Meister-Melodie - ist sie auch mal im Olympiastadion zu hören?

„Wir machen Ballermann-Musik, inspiriert von den Beats der Band Kraftwerk aus den 80ern“, sagt de Marcos. Und sie haben damit Erfolg. Ihr Video zu „Das geht ab“ wurde auf der Internetplattform Youtube mehr als 1,4 Millionen mal angeschaut. Ihr Lied „Florida Lady“ mit dem Schnulzensänger Alexander Markus wird gern auf Partys gespielt. Und nun haben sie eben die Melodie für die Meisterhymne im Olympiastadion geschaffen. Und notfalls eben die für einen Uefa-Cup-Platz: „Hey, das geht ab – wir holen den Europacup!“. Das haben die Hertha-Fans auch schon mal geträllert.

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