Stadionausbau : Union baut auf Wowereits Wort

Beim Stadionausbau der Alten Försterei kalkulieren die Köpenicker mit drei Millionen Euro vom Land Berlin, doch die Bewilligung dieser Mittel ist keineswegs so sicher wie der Verein glauben machen will.

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Die Basis steht. An der Zahlungsbereitschaft der Fans dürfte Unions Tribünenbau kaum scheitern. Die restliche Finanzierung aber ist noch keineswegs gesichert.
Die Basis steht. An der Zahlungsbereitschaft der Fans dürfte Unions Tribünenbau kaum scheitern. Die restliche Finanzierung aber...Foto: dpa

Berlin - Stolz präsentierten Dirk Zingler und Dirk Thieme am Sonntag die Zahlen. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung stellten der Präsident des 1. FC Union und der Vorstandsvorsitzende der Stadionbetriebs AG die Finanzierung der geplanten neuen Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei vor. Drei Millionen Euro werden laut Unions Bauherren dabei vom Land Berlin in das 15 Millionen Euro teure Projekt fließen. Wie dem Tagesspiegel bekannt wurde, ist das aber keineswegs so sicher, wie es von Vereinsseite dargestellt wurde. „Der 1. FC Union hat eine bestimmte Summe beantragt, wir sind aber momentan davon entfernt, eine Entscheidung darüber zu treffen“, sagt Harald Bösch-Soleil von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport. „Zumal der Haushalt für 2012/13 auch noch gar nicht feststeht.“

Dem Tagesspiegel ist bekannt, dass den Vereinsbossen vor der Versammlung lediglich eine Absichtserklärung zur Unterstützung des Bauvorhabens vorlag. Dirk Zingler dankte jedoch dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit bereits für seine Unterstützung und suggerierte, dass die Mittel bereits bewilligt wären. „Die Summe kommt aus dem Vereinsinvestitionsprogramm des Landes und wird aus Lottogeldern finanziert“, sagte Zingler. Das stimmt nur teilweise. Das Vereinsinvestitionsprogramm des Berliner Senats dient den Berliner Sportvereinen als finanzielle Unterstützung für ihre Vereinsbaumaßnahmen, allerdings stehen dafür lediglich zwischen 1,6 und zwei Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Profivereine werden in diesem Programm nicht berücksichtigt. Die Senatsverwaltung wertet Unions Vorhaben vielmehr als Sonderprojekt, das Geld dafür wird aus einem Extratopf mit Lottomitteln bereitgestellt. Der Bau einer neuen Haupttribüne sei „der krönende Abschluss eines Projektes, welches mit der Stadionrestaurierung durch die eigenen Fans begann“, wie Harald Bösch-Soleil sagt. „Wir stehen dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber, aber bis jetzt sind weder die Mittel noch die Unterlagen komplett. Wir befinden uns lediglich in einem Prüfverfahren über die Vergabe der Mittel.“

Beim 1. FC Union reagiert man gelassen. Dass die drei Millionen Euro, die bei der Stadionfinanzierung bereits in die 4,5 Millionen Euro Eigenkapital eingerechnet wurden, am Ende nicht bewilligt werden, hält Vorstandsmitglied Dirk Thieme für unwahrscheinlich. „Wir haben keinerlei Grund, am Zustandekommen der Zuwendung zu zweifeln und rechnen bis Januar mit einer Bewilligung. Diese kann erst nach Einreichung der Vorplanungen erteilt werden“, sagt Thieme.

Thieme beruft sich auf ein Gespräch zwischen Klaus Wowereit und Dirk Zingler, bei dem der Regierende Bürgermeister Zingler die finanziellen Mittel zugesagt haben soll. Wowereits Sprecher Richard Meng wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern. Harald Bösch-Soleil erklärt allerdings, die Höhe der Lottomittel für 2012/13 werde erst Anfang des kommenden Jahres feststehen, zwischen Februar und Mai. Im Mai will der 1. FC Union schon mit den Bauarbeiten beginnen. Für das gesamte Projekt ist eine Bauzeit von circa 14 Monaten eingeplant.

Tatsächlich könnte Wowereit eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung der drei Millionen Euro spielen. Der Regierende Bürgermeister sitzt im Stiftungsrat der Deutschen Klassenlotterie, die über die Verwendung der Lottomillionen, etwa für Sonderprojekte, entscheidet. „Ich bewerte die persönlichen Verhandlungen zwischen uns und der Stadt höher als irgendwelche formellen Hürden“, sagt Thieme. „Wir setzen genau das um, was in den Gesprächen zwischen dem Regierenden Bürgermeister und unserem Präsidenten vereinbart wurde.“

In der kommenden Woche will der 1. FC Union die noch fehlenden Bauunterlagen beim Senat einreichen. Sollte das Land Berlin entgegen Unions Erwartungen doch noch einen Rückzieher machen, würde der Eigenkapitalanteil am gesamten Bauvorhaben auf 1,5 Millionen Euro sinken. Und damit wohl auch das Vertrauen, dass viele Mitglieder ihrem Verein am Sonntag entgegengebracht haben.

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