Stadionverbote : Bewährung und Besserung

Dass etwas getan werden muss, darüber sind sich alle einig. Das Problem liegt in der Praxis. Matthias Sander über den Vorschlag von Stadionverboten auf Zeit.

Matthias Sander

Dass Stadionverbote sein müssen, darüber ist sich jeder einig. Die Polizei, der Deutsche Fußball-Bund, die Vereine und selbst die Fans. Wo ist also das Problem?

Das Problem lag in der Praxis. In den vergangenen Jahren häuften sich Fälle, in denen pauschale Verbote gegen Personen ausgesprochen wurden, die gerade zufällig in der Nähe waren, als es knallte und Menschen zu Schaden kamen. So gerieten manchmal auch Unbeteiligte in ein Ermittlungsverfahren, was viele Vereine veranlasste, sofort ein Stadionverbot zu verhängen. Die Ankündigung des DFB beim ersten Fankongress in Leipzig, diese Praxis zu reformieren, ist überfällig.

Der Verband ist sich der Missstände bewusst. Nach Angaben teilnehmender Fans soll der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn in einem Diskussionsforum von nur „sechs, sieben Vereinen“ gesprochen haben, die „Stadionverbote vorbildlich verhängen“. Dass Spahn später bei der offiziellen Pressekonferenz zwar Transparenz, Gerechtigkeit und Einzelfallentscheidungen versprach, danach aber den eigenen Vorschlag von Stadionverboten auf Bewährung vergaß, war hoffentlich nur ein Lapsus. Denn dieser Weg ist richtig. Mit Stadionverboten auf Zeit bekommen Fans, die sich nur eines kleinen Vergehens schuldig gemacht haben, eine Chance auf Besserung. Beim nächsten Stadionbesuch machen sie sich vielleicht mehr Gedanken, was ihnen der Fußball und ihr Verein wert sind. Harte Randalierer werden außerdem noch stärker ausgegrenzt. Und das wollen ja alle.

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