Sport : Stärke durch Veränderung

Hertha kann Ausfälle kompensieren – gegen Kaiserslautern fehlt Bastürk

Friedhard teuffel

Berlin - Worüber der FC Bayern lange Systemdebatten geführt hat, das gibt es bei Hertha BSC jetzt einfach von selbst: die Rotation. In Herthas wichtigstem Arbeitsbereich, dem Mittelfeld, wird fröhlich durchgewechselt. Auch heute beim Heimspiel in der Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Kaiserslautern (17.30 Uhr, Olympiastadion) verändert das Mittelfeld wieder sein Gesicht. Yildiray Bastürk darf nach seiner Roten Karte zwei Spiele lang nicht mitmachen, für ihn spielt nun Andreas Neuendorf.

Die unfreiwillige Rotation hat Hertha in dieser Saison nicht geschadet. Vielleicht zeigt sogar gerade sie die Entwicklung, die der Mannschaft in den vergangenen Monaten gelungen ist. Als vor kurzem Marcelinho ausfiel, schien das erst ein großes Unglück zu sein. Auf einmal kamen die Erinnerungen an die vergangene Saison hoch, als Hertha ohne Marcelinho nur fünf Punkte geholt hatte, mit ihm aber 34. Doch das Ergebnis war dann ein souveräner 3:0-Erfolg in Mainz, und gerade das offensive Mittelfeld mit Bastürk, Gilberto und Neuendorf überzeugte dabei. Gemeinsam mit Marcelinho haben sie in dieser Saison schon 21 der 39 Berliner Tore erzielt.

Das ertragreiche Zusammenspiel ist auch deshalb bemerkenswert, weil das Mittelfeld vor der Saison am stärksten verändert worden war. Zwei neue Spieler hatten die Berliner verpflichtet, Gilberto und Bastürk. Zeit zum Zusammenwachsen hatte die Mannschaft nicht, denn Bastürk verletzte sich gleich im Trainingslager und konnte erst vom siebten Spieltag an dabei sein. Trotzdem hat das Mittelfeld zueinander gefunden. Dort haben sich nicht etwa Paare gebildet, die nur miteinander spielen können. In den vergangenen Begegnungen haben die Spieler vielmehr eine große Flexibilität gezeigt. Sie müssen sich nicht erst an ihre neuen Kollegen gewöhnen. So scheint die Mannschaft im Grunde fast jeden Ausfall verkraften zu können.

Die Rotation hat außerdem einen leistungsfördernden Druck erzeugt. Andreas Neuendorf ist mit seiner Rolle auf der Bank nicht zufrieden. „Seine Kreativität tut unserem Spiel gut. Er ist immer für eine überraschende Situation gut“, sagt Trainer Falko Götz. Genau das Gleiche könnte er auch über Bastürk sagen, über Marcelinho oder über Gilberto. Alle vier bringen ein Mindestmaß an spielerischen Ideen mit. Dazu kommen individuelle Stärken: bei Marcelinho eine gute Schusstechnik, die er vor allem bei Standards einsetzen kann, bei Gilberto eine gute Spielübersicht und eine ruhige Ausstrahlung, bei Bastürk Dribbel- und Laufstärke und bei Neuendorf Explosivität und die Fähigkeit, seine Kollegen auf dem Platz mitzureißen. So können die Berliner mit ihrem Mittelfeld in jedem Spiel einen besonderen Akzent setzen.

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