Stärke im richtigen Moment : Herthas Glück mit Ronny und Ben-Hatira

Otto Rehhagel hatte mit seinen Personalentscheidungen in dieser Saison nicht immer ein glückliches Händchen. Am Samstag aber gegen Hoffenheim lag er mit Ronny und Ben-Hatira goldrichtig.

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Ronny (l.) und Ben-Hatira - Herthas Matchwinner gegen Hoffenheim.
Ronny (l.) und Ben-Hatira - Herthas Matchwinner gegen Hoffenheim.Foto: dpa

Otto Rehhagel besitzt den Hang, vom Besonderen aufs Allgemeine zu schließen, das hat er auch nach dem 3:1- Sieg seiner Mannschaft gegen die TSG Hoffenheim getan. Der Trainer von Hertha BSC war nach Fabian Holland gefragt worden, den er etwas überraschend als linken Verteidiger aufgeboten hatte. Aber Rehhagel hielt sich nicht mit Einzelschicksalen auf, sondern wurde gleich grundsätzlich. „Wir haben mit unserer Aufstellung richtig gelegen“, verkündete er.

Das war nicht immer so in Rehhagels knapp drei Monaten als Chef bei Hertha. Der 73-Jährige hatte die eine oder andere seltsame Personalie zu verantworten, gegen Hoffenheim aber lag er in der Tat mit allen relevanten Entscheidungen richtig – auch wenn er in einem Fall erst zu seinem Glück gezwungen werden musste. Kurz vor der Pause wechselte Rehhagel Fanol Perdedaj aus, der am Rande des Platzverweises wandelte. Dessen Platz im defensiven Mittelfeld vertraute er dem Brasilianer Ronny an.

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Zur allgemeinen Überraschung hatte Herthas Trainer diese Variante – mit überschaubarem Erfolg – schon eine Woche zuvor in Schalke ausprobiert . Trotzdem versuchte er es ein zweites Mal, zog Ronny erneut dem gelernten Sechser Andreas Ottl vor. Das Risiko zahlte sich aus. „Heute haben wir einen neuen Spieler dazugewonnen“, sagte Rehhagel. „Das ist Ronny.“

Viele haben in dem Brasilianer ein großes Versprechen gesehen, das leider nie eingelöst wurde. Das ist die optimistische Sicht. Die bisherigen Auftritte in knapp zwei Jahren bei Hertha haben eher die Frage provoziert, ob Ronny bei aller technischen Klasse nicht doch etwas Grundsätzliches für die Bundesliga fehlt. Am Samstag schien es, als wollte er alle Skeptiker widerlegen. Mit zehn gewonnenen Zweikämpfen wies Ronny von allen Berlinern den drittbesten Wert auf – und das, obwohl er nur eine Halbzeit auf dem Platz gestanden hatte. Einmal bestritt er am eigenen Strafraum ein Laufduell mit Boris Vukcevic und entschied den Zweikampf mit einem Bodycheck zu seinen Gunsten.

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Ronny war nicht der einzige Berliner, der erfolgreich gegen sein Image anspielte. Ausgerechnet, als es für Hertha um die sportliche Existenz ging, wurde aus dem bisherigen Mitläufer Änis Ben- Hatira ein Entscheider – und das nicht nur, weil er zwei Tore erzielte. „Er ist einer derjenigen, die mit großem Engagement vorangegangen sind“, sagte Manager Michael Preetz. Ben-Hatira war von allen Spielern am meisten gelaufen (11,6 Kilometer), dazu auch am häufigsten gesprintet (34 Mal). Rehhagel bescheinigte dem Deutsch-Tunesier nicht nur großes Talent, sondern auch großen Eifer, aber „er muss wissen, wann er Individualarbeit und wann Teamarbeit zu leisten hat“. Ben- Hatira fehlt bisweilen der Blick fürs große Ganze, und auch eine gewisse Selbstverliebtheit am Ball ist ihm nicht fremd.

Am Samstag aber wurden er und Ronny gleich in doppelter Hinsicht zum Sinnbild für Hertha BSC. Als es um alles ging, waren sie zur Stelle. Aber es reicht nicht, einmal gut zu spielen. Nicht für Ronny, nicht für Ben-Hatira. Und vor allem nicht für Hertha.

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