Sport : Stärken ohne Scheckheft

Die Füchse Berlin starten heute mit fast unverändertem Aufgebot in die zweite Bundesliga-Saison

Hartmut Moheit

Berlin - Ein kleines Geschenk haben die Besucher des ersten Saison-Heimspiels der Füchse Berlin sicher. „Fuchsi“, das Maskottchen des Handball-Erstligisten, wird jeder in Plüsch beim Verlassen der Max-Schmeling-Halle erhalten. Mit diesem Dank an die Fans für ihre Unterstützung im Aufstiegsjahr soll dann aber endgültig die letzte Saison ac acta gelegt werden. Als viel wichtigere Beigabe nach dem Spiel gegen den Stralsunder HV betrachtet Trainer Jörn-Uwe Lommel, dass „die ersten zwei Pluspunkte auf unser Konto kommen“. Der als hart und kompromisslos geltende Lommel bezeichnet jedoch bereits aufkommende Stimmen, die vom möglichen Europacupplatz sprechen, als übertrieben optimistisch. „Wir müssen wachsen, uns weiterentwickeln“, sagt er vor seiner 16. Saison als Erstligatrainer, gibt aber zu: „Natürlich werden wir uns in Zukunft nicht lange im Mittelfeld aufhalten dürfen.“

Vor dieser Saison stand Lommel vor der Aufgabe, seine Spieler „individuell zu entwickeln und damit das Team zu stärken“. Nicht das Scheckheft und die Verpflichtung von Stars waren die Themen, sondern aus den Gegebenheiten noch mehr herauszuholen. Und das lief nicht problemfrei ab. „Bis Mitte August waren wir auf einem sehr guten Weg, aber als ich in den zurückliegenden zweieinhalb Wochen den Feinschliff vornehmen wollte, ging das teilweise nicht“, erzählt Lommel. Erst brach sich der aus Stralsund gekommene Rico Göde einen Finger der linken Hand, dann zogen sich Spielmacher Kjetil Strand, Christian Caillat und Jonathan River leichtere Verletzungen zu, und letztlich kamen Hany El Fakharany und Bartlomiej Jaszka ziemlich geschafft von Olympia zurück. Unter diesen Voraussetzungen geriet einiges ins Stocken. Lommel sagt: „In der Spieltechnik brauchen wir deshalb noch etwas Zeit.“ Dennoch zollt er den Spielern ungewohnt viel Lob: „Ich muss mich bei allen bedanken, wie sie die hohe Belastung im Training durchgezogen haben.“ Verständnis zeigte Lommel auch für die derzeit etwas müden Jaszka und El Fakharany. „Sie waren ja schließlich für den Olympiaeinsatz in ihren Nationalmannschaften ohne größere Pause im Einsatz“, erklärt er.

Ein besonderer Fall bleibt dennoch der des Ägypters El Fakharany. Für den Muslim aus Kairo hat am Montag der Fastenmonat Ramadan begonnen. Doch im Vergleich zum Vorjahr, als er tagsüber das Fasten ernst nahm und leistungsmäßig stark abgebaut hatte, soll ihm das diesmal in dieser Zeit nicht noch einmal passieren. „Er hat das mit seinen Leuten in Kairo geklärt, auch dem Team versprochen, dass dies diesmal kein Problem sein wird“, sagt Jörn-Uwe Lommel. El Fakharany hat mit seinem Imam vereinbart, dass er im September auch am Tage im Dunkeln essen und trinken darf.

Ein fitter El Fakharany, als Deckungschef und im Angriff am Kreis, dürfte vor allem im September für die Füchse enorm wichtig sein. In der Zeit, in der zudem sein Pendant Rico Göde noch fehlt, erwartet das Team ein relativ günstiges Auftaktprogramm. Bis zum Auswärtsspiel am 30. September in Magdeburg treffen die Füchse auf Stralsund, Wetzlar, Essen und Dormagen. Lediglich das Spiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen ist eines gegen ein Top-Team. Mit einem geschätzten Etat von 6,3 Millionen Euro ist es eines der reichsten in der Bundesliga, wobei Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning glaubt: „Die wahren Etats der Spitzenvereine, so auch des THW Kiel und HSV Hamburg, dürften deutlich höher sein.“ Dass der Füchse-Etat bei etwas unter dreieinhalb Millionen Euro liegen soll, dementiert er in diesem Zusammenhang zumindest nicht. Stralsund, der Aufsteiger und heutige erste Gegner, kann dagegen gerade einmal 1,2 Millionen Euro für eine Saison ausgeben.

„Das sind sicherlich wichtige Komponenten“, sagt Jörn-Uwe Lommel. Dennoch erwartet er zum Auftakt keinen Spaziergang gegen den Gegner aus dem Norden, „gegen den wir in unserer Aufstiegsphase die Spitzenspiele bestritten haben. Viele der Spieler von vor zwei Jahren sind ja noch dabei.“ Aber Lommel möchte sich eigentlich nicht sehr viel mit Stralsund beschäftigen, obwohl er gestern für das Team noch einen speziellen Video-Nachmittag angesetzt hatte. „Wir müssen unsere Stärken ausspielen, dann sind wir auch erfolgreich“, sagt er zuversichtlich. Seine Spieler haben den „Fuchsi“ bereits bei der Teilpräsentation vor einer Woche erhalten. Weitere Geschenke haben sie nicht zu erwarten.

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