Sport : Stagnation in Hoppegarten: Trabi und Golf im Wettrennen

Ernst Podeswa

"Ich denke, meine beiden Pferde sind nicht nur für einen Platz gut, eins hat sogar Gewinnchancen", sagt Werner Bauermeister. Der Hoppegartener Trainer schickt Phyton und Epirus in die Sonnabendrennen auf der Rennbahn Hoppegarten.

Für Wettfreunde ist der Hinweis auf die Qualität seiner vierbeinigen Schützlinge allerdings überflüssig. Sie wissen, Galopper von Bauermeister sind (fast) immer zu beachten und vorn. Auf seiner Heimbahn führt er die Gilde der saisonbesten Trainer an. Und auch im bundesdeutschen Vergleich nötigen seine 16 Siege Respekt ab. Zwar hat der Spitzenreiter Andreas Schütz mit 87 Jahreserfolgen deutlich mehr, doch bei dem Kölner stehen mit rund 150 auch mehr als sechs Mal so viele Pferde im Training.

Bauermeister hat derzeit 26 im Stall. Einige Jährlinge werden noch dazukommen, sodass "es etwas mehr als 30 im nächsten Jahr werden." Besondere Freude hat Bauermeister kürzlich eine Reise zu einer Auktion in Baden-Baden bereitet. Im Auftrage einer Besitzergemeinschaft mit dem programatischen Titel "Ost-West" hat er Nakateno erworben. Ein Spross mit berühmten Eltern, denn der Hengst Acatenango (Stute Nadja) war als Derbysieger und Gewinner von Europa-Gruppe-Rennen einer der erfolgreichsten deutschen Galopper. Der von ihm gezeugte Lando hat gleichfalls die Derbykrone erlaufen. Nakateno hat alles in allem 82 000 Mark gekostet und ist der teuerste Jährling, den Bauermeister je auf eine Karriere als Rennpferd vorbereiten durfte.

Solch ein Vertrauensbeweis von Besitzern freut einen echten Pferdemann wie Bauermeister. Auch, wenn er 69 Jahre alt ist und einiges erlebt hat. Der elterliche Bauernhof in Calbe bei Magdeburg "ging den Bach runter, als die Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaften in der DDR installiert wurden". Bauermeister ("Ich bin halt von klein auf ein Pferdenarr") wandte sich dem Turniersport und da der Military zu. Weil der im DDR-Sport zu teuer und zu wenig medaillenverheißend war, ging auch da seine Karriere zu Ende. Bauermeister wurde Hindernis- und Flachbahnreiter im Volkseigenen Rennbetrieb (VEB) Hoppegarten, 1980 dann Trainer. Auch der Job als VEB-Angestellter und Verantwortlicher für 26 bis 28 Pferde war mit dem Mauerfall perdu.

Wie die Trainer in Hoppegarten - oder in Halle, Leipzig, Magdeburg oder Dresden - musste sich Bauermeister nun als Selbstständiger dem bundesweiten Wettbewerb stellen. Mit dem gravierenden Nachteil, nicht über das "gleiche Pferdematerial" wie die Kollegen im Westen zu verfügen. "Wir hatten keine Möglichkeit, durch erstklassige Hengste und Stuten aus England, Frankreich oder den USA die Zucht aufzufrischen und schmorten mehr oder minder im eigenen Saft. Unsere Pferde waren im Schnitt eine Klasse schlechter als die westdeutschen." Die Osttrainer standen im Wettrennen wie zwischen Trabant und Golf von vornherein auf verlorenem Posten. "Das Schlimme war nur, dass es bald hieß, tja, die Osttrainer wissen eben nicht, wie man Sieger produziert". Die fehlenden Erfolge bestätigten solche Vorurteile, und so ist in Hoppegarten ein halbes Dutzend von vorher 21 Trainer übrig geblieben. "Obwohl wir", so Bauermeister selbstbewusst, "als Agraringenieur mit vierjährigem Studium besser ausgebildet waren als die Trainer in den alten Ländern."

Im Falle Bauermeister hat sich das mittlerweile herumgesprochen. "Wir brauchen mehr Pferde in den Ställen, und das kann nur der Mittelstand leisten", sagt der Pferdefachmann zu Gründen, weshalb sich der Aufschwung im früheren Zentrum des deutschen Galoppsports nach der Wende so wellenförmig mit Höhen und Tiefen gestaltete. "Ich denke auch, dass man stärker werben müsste, um mehr finanzkräftige Interessenten für das kostspielige Hobby Galoppsport und auch mehr Sponsoren für die einzelnen Renntage zu gewinnen."

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