Sport : Stammbäume in der Wüste

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Mathias Klappenbach über

Katars Werben um neue Nationalspieler

Eigentlich passiert gar nichts Schlimmes. Das Scheichtum Katar kauft sich gerade eine neue Fußball-Nationalmannschaft. Eingebürgerte Spieler wie der Brasilianer Ailton sollen gegen ein Millionenhonorar bei der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland helfen. So wie in anderen Ländern und in anderen Sportarten auch. Dass Spitzensportler die Staatsangehörigkeit wechseln, ist international üblich. Bei den Ringern, bei den Leichtathleten, fast überall.

In Katar geht die Einbürgerung ungewöhnlich einfach. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Gerhard Mayer-Vorfelder, hält das offensive Werben des Scheichtums um Spitzenprofis aus aller Welt für Unfug. Deshalb will er jetzt die Statuten des Weltverbandes Fifa, die bisher nur den Wechsel schon aktiver Nationalspieler verbieten, verschärfen lassen. Schließlich bedrohe es alle Nationalmannschaften, wenn Spieler ohne Bezug zu Land und Nationalität eingebürgert werden könnten.

Aber genau das ist die Realität. Oft wird lange in den Stammbäumen der Athleten gesucht, um noch einen passenden Urahnen aufzutreiben. Damit wenigstens gesagt werden kann, dass Nationalspieler wie der in Deutschland eingebürgerte Brasilianer Paulo Rink ihre Wurzeln hier hätten. Das ist Unfug. Das Staatsbürgerschaftsrecht wird im internationalen Sport nach Interessenlage ausgelegt. Katar betritt kein Neuland, es ist nur einen Schritt weiter gegangen und gibt dafür viel Geld aus.

Ailton hat keinen Urahnen aus der Wüste. Trotzdem wird er am Sonntag einfliegen. Die Einbürgerung soll zwei Stunden dauern.

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