Sport : Stanislawski will nicht mehr streicheln

Hoffenheim enttäuscht beim 2:2 gegen Augsburg.

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Foto: dapd

Es waren sehr viele kritische Fragen, denen sich Holger Stanislawski stellen musste, auf die meisten hatte er kurz nach Spielende noch keine Antwort. „Ich werde den Abend brauchen, um unsere Leistung zu verdauen“, sagte der Trainer der TSG Hoffenheim nach dem dürftigen 2:2 (1:1) seiner Mannschaft gegen den Tabellen-Vorletzten FC Augsburg. Über eine Tatsache allerdings war sich Stanislawski bei allem Frust schnell klar: Spätestens jetzt sei die Zeit des „Tätscheln, Streichens, Aktivierens“ vorbei, sagte der 42-Jährige eisig und kündigte für das Pokalspiel gegen Greuther Fürth am Mittwoch „eine andere Mannschaft an“.

In den 90 Minuten zuvor hatten die Hoffenheimer vor der mageren Kulisse von 20 000 Zuschauern in der Sinsheimer Arena wieder einmal enttäuscht. Stanislawskis Mannschaft war nach einer halben Stunde 0:1 in Rückstand geraten, konnte aber noch vor der Pause durch Peniel Mlapa ausgleichen und ging nach 51 Minuten durch einen Foulelfmeter von Sejad Salihovic in Führung. Dem Augsburger Sebastian Langkamp gelang jedoch noch der Ausgleich, in der Schlussphase standen die Gastgeber gegen den Aufsteiger sogar wieder am Rande einer Niederlage. Neuzugang Srdjan Lakic spielte bei seinem 15-Minuten-Einsatz kaum eine Rolle, ihn hatte eine Magen-Darm-Grippe geschwächt. So blieb es bei der dünnen Bilanz der vergangenen Wochen: Hoffenheim hat in den letzten zehn Spielen nur einmal gewinnen können.

Stanislawski wirkte bei seiner Analyse des Spiels derart deprimiert, dass er sich Fragen nach einem möglichen Rücktritt gefallen lassen musste. „Ich werde nicht hinschmeißen. Aber ich werde nichts mehr schönreden oder schützen. Ich sage nur realistisch, wie es ist“, polterte Hoffenheims Trainer und ließ einen wahren Rundumschlag der Kritik folgen. Manchem in seinem Kader sprach Stanislawski die Bereitschaft ab, sich für „die Mannschaft einzusetzen – da denken einige zuerst mal an sich“. Damit dürften neben Sejad Salihovic auch die schwachen Ryan Babel und Roberto Firmino gemeint gewesen sein. Allerdings sparte der ehemalige Coach des FC St. Pauli auch sich selbst bei der Kritik nicht aus: „Wenn ich als Trainer nicht in der Lage bin, die Spieler zu aktivieren, bin in erster Linie ich schuld.“ Er sei aber „nicht ohnmächtig, ich bin nur offen und ehrlich“. Mit Torwart Tom Starke hatte zuvor immerhin auch ein Hoffenheimer Spieler Selbstkritik geübt: „Wenn man die ganze Suppe, die wir da verbrochen haben, wenigstens Kampf nennen könnte ...“

Die Augsburger hingegen konnten mit dem erarbeiteten Remis einigermaßen zufrieden sein. „Wir haben heute wenigstens den Kontakt zu unseren schärfsten Konkurrenten nicht abreißen lassen“, sagte Augsburgs Trainer Luhukay. Zwei Meter neben ihm saß derweil Holger Stanislawski und starrte regungslos vor sich hin.

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