Sport : Star für ein Spiel

Die Eisbären schlagen Hannover dank Jens Baxmann 3:2 und stehen kurz vorm Finale

Claus Vetter[Hannover]

Der amerikanische Künstler Andy Warhol hat einmal gesagt, dass in der modernen Gesellschaft jeder Mensch für 15 Minuten ein Star sein wird. Gestern Abend hatte Jens Baxmann in der Tui-Arena in Hannover seine 15 Minuten. Bei den Eisbären ist der 21 Jahre junge Mann aus dem Harz in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga selten zum Einsatz gekommen. Am Sonntag musste der Verteidiger sogar Stürmer spielen – und wurde im zweiten Play-off-Halbfinalspiel um die deutsche Meisterschaft zum Star des Nachmittags: 26 Spielminuten waren vorbei, als Baxmann von der Strafbank kam, auf das Hannoveraner Tor zulief, einen Pass von Mitspieler Micki Dupont bekam und Torwart Trevor Kidd überwand. Es war der Siegtreffer. Die Eisbären gewannen 3:2 (2:1, 1:1, 0:0) bei den Scorpions und führen in der Serie nun 2:0. Am Dienstag können sie mit einem Erfolg im dritten Spiel das Finale erreichen. Im anderen Halbfinale wird es dagegen ein viertes Spiel geben, nachdem die Kölner Haie die Düsseldorfer EG 5:3 besiegten.

Die Berliner Profis bedankten sich nach dem hart erkämpften Erfolg beim Schützen des Siegtores. Baxmann wurde sogar zum Sieg in seiner Heimat beglückwünscht – als gebürtiger Harzer. Das aber war ihm zu viel. „Ich komme aus Wernigerode, das ist in Sachsen-Anhalt und nicht in Niedersachsen.“ Die Niedersachsen, die „sturmfest und erdverwachsen“ sind, wie viele der 9142 Zuschauer in der Tui-Arena immer wieder sangen, hatten sich den Nachmittag anders vorgestellt. Bevor Spielverderber Baxmann kam, hatten die Scorpions Berliner Führungstore von Denis Pederson und Steve Walker durch Todd Warriner und Sascha Goc ausgeglichen, wobei das 1:1 ein Tor mit Seltenheitswert war: Zwei Hannoveraner saßen auf der Strafbank, trotzdem gelang den Niedersachsen gegen fünf Berliner durch Warriner ein Kontertor. Eisbären-Stürmer Stefan Ustorf sagte später dazu: „So ein Tor bekommst du alle drei Jahre, daran darf man nicht zerbrechen.“ Dafür waren die Scorpions gegen Ende des Spieles frustriert. Ihr Stürmer Brad Tapper erhielt nach einem Check an Kelly Fairchild, der eine Schulterverletzung erlitt, noch eine Spieldauerstrafe.

Nur noch ein Sieg, und die Eisbären stehen zum dritten Mal in Folge im Finale. Jens Baxmann hätte einen Anteil daran, mit einem Tor, das ihn selbst überrascht hatte. „Ich habe einfach abgezogen, dann war er drin“, sagte er. Dann ging Baxmann in die Umkleidekabine, mit dem Bewusstsein, dass morgen wohl ein anderer Eisbär der Star des Spiels wird. So ist das in den Play-offs bei den gut besetzten Berlinern: Der Matchwinner hieß beim 4:3 am Donnerstag Steve Walker und gestern eben Jens Baxmann, der schon mal das Wort „Meisterschaft“ in den Mund nahm. So weit sind die Eisbären noch nicht. Baxmanns Lebensgefährtin schon. Susanne Schulz wurde gestern Deutscher Eishockeymeister mit dem OSC Berlin.

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