Sport : Star ohne Allüren

Im Play-off-Viertelfinale gegen Oldenburg hofft Alba auf eine weitere Top-Leistung von Jovo Stanojevic

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Jovo Stanojevic betrachtet ein Foto von sich selbst auf dem Display eines Handys. Der bullige Centerspieler von Alba Berlin wurde mit freiem Oberkörper abgelichtet. „Dein Bauch sieht aus, als wärst du im sechsten Monat schwanger“, sagt der Besitzer des Handys, ein Freund. Stanojevic lacht. „Das ist pure Solidarität“, sagt er. „Meine Frau ist nämlich im vierten Monat schwanger.“ Weil sich seine 122 Kilogramm jedoch auf eine Körpergröße von 2,07 Meter verteilen, besitzt der Serbe eine äußerst sportliche Statur. Er ist sogar der beste Center der Basketball-Bundesliga, vor ein paar Wochen wurde er von Experten zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Er würde das niemandem erzählen, der nicht danach fragt. „Jovo hat überhaupt keine Allüren“, sagt Albas Manager Marco Baldi.

Es ist die Einstellung zu seinem Beruf, die Stanojevic so wichtig für seine Mannschaft macht, die am Montag um 18 Uhr in der Max-Schmeling-Halle das erste Play-off-Viertelfinalspiel gegen die Baskets Oldenburg bestreitet. Drei Siege sind zum Einzug ins Halbfinale notwendig. Stanojevic ist gegenwärtig in Topform, was vielleicht auch an seinem Fleiß in der Vorbereitung liegen könnte. Vier Wochen vor dem offiziellen Trainingsstart hat Stanojevic in dieser Saison seine Arbeit aufgenommen. „Er hat sich in die Höhenkammer gesetzt und trainiert. Das ist ungewöhnlich für einen Star-Spieler“, sagt Trainer Henrik Rödl. Stanojevic will jedoch unbedingt wieder Deutscher Meister werden. Er hat nicht vergessen, wie es vor drei Jahren war, als er in seiner ersten Saison mit Alba gleichzeitig Meister und Pokalsieger geworden war. „Dieses Gefühl ist nicht in Worte zu fassen“, sagt er. Im aktuellen Kader sind von der letzten Meistermannschaft neben Stanojevic nur Quadre Lollis und Trainer Rödl übrig geblieben.

In der vergangenen Saison hat es laut Stanojevic unter anderem nicht zum Titel gereicht, weil sich zu viele Spieler verletzten. Auch zu Beginn dieser Play-offs fehlen einige Profis: Mike Penberthy wird nach seiner Leistenoperation wohl erst in einer möglichen Halbfinalserie eingreifen können, Luke Whitehead ist angeschlagen und wird am Montag höchstens zu kurzen Einsätzen kommen, Matej Mamic (Rückenmarkprellung) und Sascha Leutloff (Kreuzbandriss) fallen für die gesamten Play-offs aus. Dennoch ist Stanojevic zuversichtlich, auch weil seine Mannschaft den Pokal gewonnen hat. „Mit unserem schnellen Spiel sind wir schwer zu schlagen“, sagt er. „Auch ich habe meinen Stil umgestellt und spiele schneller.“ Im Pokalfinale gegen Bamberg erzielte Stanojevic 30 Punkte und holte zehn Rebounds. In der Form des Pokalfinales wird Alba nur schwer zu stoppen sein.

Stanojevics Vertrag läuft am Saisonende aus. Ob Alba Meister werde oder nicht, habe auf jeden Fall Einfluss auf seine berufliche Zukunft, sagt er. Mit dem Meistertitel dürfte ihm die Entscheidung für Alba leichter fallen, dann wären die Berliner auch für die Euroleague qualifiziert. Doch auch andernfalls sei eine Verlängerung möglich, sagt Stanojevic, „Alba ist mein erster Ansprechpartner.“ Für Baldi ist Stanojevic auch die erste Option auf der Centerposition für die neue Saison. „Aber darüber brauchen wir gar nicht mit Jovo zu reden“, sagt Baldi. Stanojevic wüsste das auch so.

0 Kommentare

Neuester Kommentar