Sport : Stark durch Schwächen

Wie Hertha auf Bremens Torhüter Pascal Borel reagiert

Klaus Rocca

Berlin. Mitleid hat er nicht, aber Christian Fiedler kann mitfühlen. Mit Pascal Borel. „Ich bin doch eine Zeit lang auch nicht für bundesligatauglich eingestuft worden. Das waren damals harte Wochen“, sagt Fiedler. Nicht bundesligatauglich – das Prädikat heften sie derzeit auch Borel an. Der ist angeblich der schlechteste Torhüter der Fußball-Bundesliga. Und bekommt das besonders im heimischen Stadion von den Fans zu spüren. Am Sonnabend erhält er eine Atempause. Da tritt er mit dem SV Werder Bremen im Olympiastadion gegen Hertha BSC an.

Natürlich hat es sich in der Bundesliga rumgesprochen, dass der noch vor drei Jahren bei Germania Friedrichstal im Tor stehende Borel Schwächen zeigt. Gewiss, der SV Werder ist trotz Borel Tabellendritter. Doch er hat 25 Tore kassiert, elf mehr als der Tabellenführer FC Bayern, gar 16 mehr als der Zweite Dortmund, nur zwei weniger als die Abstiegskandidaten aus Cottbus und Hannover. Natürlich wissen auch die Stürmer um die Verunsicherung Borels. Auch Michael Preetz. „Wir werden ihn am Sonnabend stark beschäftigen und bei den Schüssen auch immer nachsetzen. Vielleicht lässt er mal den einen oder anderen Ball abprallen“, sagt Herthas Kapitän. Profis sind sie. Und als solcher ist es nur legitim, die Schwächen des Gegners auszunutzen.

In Herthas Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel, da ist sich Fiedler sicher, wird Borels Verunsicherung und daraus zu schlagendes Kapital ein Thema sein. Auch wenn Huub Stevens abwinkt. „Ich bin Trainer von Hertha BSC und beschäftige mich nicht mit den Problemen anderer Mannschaften“, beteuert er. So muss er wohl reden. Doch Stevens ist als akribischer Analytiker bekannt. Da liegt es nahe, dass Borel bei der Bewertung des Gegners einen besonderen Stellenwert hat.

Gabor Kiraly, der Fiedler einst vom Spitzenplatz im Tor bei Hertha BSC verdrängte, hat auch schon oft harte Kritik einstecken müssen. „Damit muss ein Fußballprofi leben“, sagt Kiraly. Überhaupt, der Einzelne zähle nicht. „Wenn ich der schlechteste Torhüter der Liga wäre und Hertha Deutscher Meister werden würde, könnte ich damit leben.“

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