Sport : Stark wie Ringer

Armenien könnte zur EM fahren – große Fußballnationen dagegen zittern

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Zum Abheben. Armeniens Kapitän Ghazaryan jubelt gegen die Slowakei. Foto: dpa
Zum Abheben. Armeniens Kapitän Ghazaryan jubelt gegen die Slowakei. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Den Schuldigen hatte Vicente del Bosque schnell ausfindig gemacht. „Dahinter wird wohl sein Berater stecken“, vermutete Spaniens Nationaltrainer, als er mit den Ausführungen seines Mittelfeldspielers David Silva konfrontiert wurde. Dieser hatte sich in einem Interview beschwert, dass del Bosque ihm „zu wenig vertraue“. Spaniens Trainer brummte nur den Ratschlag in Richtung Silvas, er solle nicht so viel auf seinen Berater hören. Dann war das Thema erledigt, del Bosque hatte keine Lust, Probleme zu kommentieren, die aus seiner Sicht gar keine sind. Sportlich könnte die Situation für den Welt- und Europameister nämlich nicht sorgenfreier sein. Die Spiele heute in Tschechien und vier Tage später gegen Schottland haben für del Bosque nur noch den Rang von Tests. Spanien ist neben den beiden Gastgeberländern Polen und Ukraine bereits für die Europameisterschaft im kommenden Jahr qualifiziert, genau wie Deutschland, die Niederlande und Italien.

Ganz so entspannt wie die anderen schon qualifizierten Nationen dürfte Italien nicht zum heutigen Spiel nach Serbien reisen. Das Duell wurde vom europäischen Fußballverband Uefa als Risikospiel der höchsten Kategorie eingestuft. Beim Hinspiel war es vor einem Jahr in Genua zu schweren Ausschreitungen gekommen, die dann zum Abbruch führten. Einer der Hauptschuldigen der Krawalle flüchtete später im Kofferraum eines Autos aus dem Stadion, die Polizei konnte den Serben später dennoch ausfindig machen. Damit es dieses Mal nicht so weit kommt, haben italienische Fans keinen Zutritt zum Stadion. Serbien darf sich also der ungeteilten Unterstützung in Belgrad sicher sein. Ein Sieg würde der Mannschaft mit den Bundesliga-Profis Neven Subotic (Dortmund) und Slobodan Rajkovic (Hamburg) zumindest den zweiten Platz in Gruppe C sichern, welcher zur Teilnahme an den Play-offs im November gegen einen anderen Gruppenzweiten berechtigt.

Wie für Serbien geht es für viele andere Nationalteams an diesem Wochenende in entscheidenden Qualifikationsspielen um die Teilnahme zur Europameisterschaft. Aus Hamburger Sicht dürfte vor allem die Gruppe H interessant sein. Dort streiten die punktgleichen Teams aus Portugal, Dänemark und Norwegen um die ersten zwei Plätze. Sollte Dänemark vorzeitig scheitern, könnte Nationaltrainer Morten Olsen ein aussichtsreicher Kandidat auf den Trainerposten beim Hamburger SV werden.

Die Schweiz kann sich aus eigener Kraft nicht mehr für die EM qualifizieren. Die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld muss darauf hoffen, dass Montenegro heute sein Heimspiel gegen England verliert, um dann am Dienstag mit einem Sieg gegen die Auswahl des Balkanlandes noch Platz zwei in der Gruppe G zu erreichen. Für Fabio Capello wird das Spiel in Montenegro wohl das letzte Qualifikationsspiel als englischer Nationaltrainer sein. Seine Mannschaft benötigt noch einen Punkt, um sicher in Polen und der Ukraine dabei zu sein. Nach der Europameisterschaft will Fabio Capello zurücktreten, das hat er bereits angekündigt.

Ohne die verletzten Franck Ribéry und Karim Benzema muss Frankreich seine entscheidenden Spiele gegen Albanien und Bosnien-Herzegowina bestreiten. In der Gruppe D liegt Frankreich einen Punkt vor Bosnien, auch Rumänien hat noch Außenseiterchancen. Für die größte Sensation könnte an diesem Doppelspieltag aber Armenien sorgen. Die Mannschaft von Trainer Wardan Minasjan könnte mit Siegen gegen Mazedonien und am Dienstag in Irland und gleichzeitigen Ausrutschern der Konkurrenz zumindest auf den zweiten Platz klettern. Vor einem Monat gewann Armenien sensationell 4:0 bei WM-Teilnehmer Slowakei, seitdem träumt das südosteuropäische Land, indem sonst nur die Ringer Begeisterung wecken, von der ersten Teilnahme an einem großen Fußballturnier.

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