Sport : Starke Fans, schwache Abwehr

Bei Union schwindet nach dem 3:5 gegen Nürnberg die Hoffnung auf den Klassenerhalt

Karsten Doneck

Berlin. Die Szene hatte etwas Irrationales. Sekunden zuvor hatte Marek Mintal den 1. FC Nürnberg mit 4:3 in Führung gebracht, da erhoben sich die Anhänger des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union auf der Haupttribüne von ihren Sitzplätzen und sangen voller Inbrunst: „Steht auf, wenn ihr Unioner seid“ – mitten hinein in den Nürnberger Torjubel auf dem Platz. Es war eine eindrucksvolle Demonstration des Publikums. Sie bewies: Der Union-Fan ist durch nichts und niemanden zu erschüttern, er zeigt Stärke auch in der Niederlage und notfalls dann auch im Falle des Abstiegs. 3:5 (1:3) verlor der Tabellenvorletzte Union vor 9008 Zuschauern daheim gegen den Aufstiegsaspiranten, und ketzerische Stimmen meinten danach, den für heute erwarteten Bescheid der Deutschen Fußball-Liga über die Zweitliga-Lizenz für die nächste Saison könne man getrost in den Papierkorb werfen. Union benötige das Zertifikat ohnehin nicht mehr.

„Wenn Sie mich nach diesem Spiel fragen, ob wir am Ende drinbleiben, würde ich mit ,Nein’ antworten. Am Tag danach denke ich vielleicht wieder anders“, sagte Unions Torjäger Steffen Baumgart. Es war ein dramatischer Fußball-Sonntag in der Alten Försterei. Da hatte Union gegen klar bessere Nürnberger nach einem 0:2-Rückstand (Tore: Sanneh und Vittek) kurz vor der Pause durch Florian Bruns verkürzen können. 1:2 zur Pause - das eröffnete Perspektiven. Doch kaum 60 Sekunden später erlaubte sich Unions Frederic Page in Bedrängnis am eigenen Strafraum einen Fehlpass, den Mintal dankbar aufnahm und zum 3:1 vollendete. Pause!

Union raffte sich noch einmal auf, um den Rückstand abzuarbeiten: 2:3 durch David Siradze, vier Minuten später 3:3 durch Baumgart, anschließend vergab Dian Popow sogar die Chance zum 4:3. Aber Ende schlecht, alles schlecht: Die drei Punkte schnappte sich der Gast. Mintals 4:3 ließ Vittek noch das 5:3 folgen. „Wenn man drei, vier, fünf Tore reinkriegt, kann man nicht gewinnen“, sagte Unions Mittelfeldstratege Thomas Sobotzik.

Auch Kapitän Baumgart stößt sich an dem inflationären Trend zu Gegentoren bei Union. „Sonst haben wir ein halbes Jahr gebraucht, um 15 Gegentore zu kriegen, jetzt kriegen wir die in vier Spielen. Ich will wissen, warum das so ist?“, grantelte Baumgart. Seit vier Spielen ist Aleksandar Ristic Trainer bei Union, in dieser Zeit kassierte Union zwar nicht 15 Treffer, wie Baumgart vermutete, sondern nur 14, aber auch das ist des Schlechten zu viel. Aleksandar Ristic indes rechtfertigt sein System: „Ich kann doch nicht mehr Defensive reinbringen. Die Leute habe ich gar nicht. Außerdem müssen wir jedes Spiel gewinnen, anders geht es doch nicht in unserer Lage.“

Das einfachste Fazit für die Niederlage gegen Nürnberg fand noch Robert Wulnikowski. Unions Torhüter stammelte auf dem Weg zur Kabine nur ein Wort, immer und immer wieder: „Desaster, Desaster, Desaster.“

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